Besinnung

Adventskranz
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Wann es losgeht?

Am 1. Januar sagen die meisten, wenn man sie nach dem Beginn des neuen Jahres fragt. Wer noch so etwas Altmodisches wie einen gedruckten Kalender besitzt, findet die Bestätigung: Der Januar ist das erste Blatt. So selbstverständlich, wie es uns erscheint, ist es nicht. In Rom begann das Jahr einst mit dem 1. März, in Venedig noch bis zum 18. Jahrhundert. In Frankreich wurde unter christlichem Einfluss Ostern als Beginn des neuen Lebens gefeiert, andernorts der 25. März, das Fest der Verkündigung Mariens, von dem neun Monate bis Weihnachten gerechnet werden.

Wann es losgeht, das Neue, ist nicht so leicht zu sagen. Klar ist nur, dass die großen Religionen Christentum, Judentum und Islam jeweils selbstbewusst einen eigenen Anfang setzen, unabhängig vom Staat.

Der Islam orientiert sich am Mondjahr. Sein Neujahrsfest wandert und lag dieses Jahr im August. Nicht Feuerwerk und Kracher sind dabei angesagt, sondern Besinnung und Buße. Das Judentum feiert „Rosch Haschana“ im Herbst, dieses Jahr war es der 6. September. Honig und Granatapfel gehören dazu und symbolisieren ein „süßes Jahr“. Der Grundton ist ernst. Die ersten Tage des neuen Jahres sind die Gläubigen aufgerufen, ihr Leben zu bedenken.

Und im Christentum? Da beginnt das neue Jahr mit dem 1. Adventssonntag. Bevor die alten Kalender entsorgt werden, schleicht sich das Neue schon ein.

Wie es losgeht?

Auch bei uns geht das neue Jahr mit einer Zeit der Besinnung los. Die Adventszeit war Fastenzeit. Nicht Anhäufen und Auffüllen, sondern Loswerden und Hergeben prägen sie. Wir basteln unser Glück nicht selbst, sondern halten Ausschau, woher es kommt, wer auf uns zukommt. „Ankunft“ heißt Advent auf Deutsch, meint allerdings eine Ankunft, die sich nicht nach unseren Fahrplänen richtet. Das Wort „Advent“ stammt aus der gleichen Wurzel wie das altdeutsche Wort „aventiure“ für „Abenteuer“. Es ereignet sich unverhofft, plötzlich, gerne mitten im Alltag. Da kommt Gott, da macht er mit, taucht alles in sein Licht und schiebt und zieht und schubst uns. Manchmal wiegt er uns auch. Auf jeden Fall lässt er Neues aufgehen, gerade dann, wenn für die anderen das Jahr allmählich zu Ende geht.

Ihre Pfarrerin
Christine Jahn