Besinnung

Stein von Rosetta im British Museum in London
Bildrechte Evang.-Luth. Kirchengemeinde Baiersdorf

Liebe Gemeinde,

Menschen kommunizieren auf ganz unterschiedliche Art und Weise und auch in ganz unterschiedlichen Sprachen. Manchmal gelingt Kommunikation und manchmal geht sie auch daneben. Selbst, wenn man die gleiche Sprache spricht, ist das keine Garantie dafür, dass man sich auch wirklich versteht. Manchmal gelingt ein Gespräch mit den Händen und Füßen besser als eines mit Worten.

Manchmal wünschte ich mir, dass ich viele Sprachen sprechen könnte. Das kann ich aber leider nicht. Und ich wünschte mir, mehr Zeit zu haben, um die Sprachen, die ich einmal gelernt habe, auch frisch zu halten. Nicht einmal das gelingt mir.

Aber es beeindruckt mich, wenn Menschen viele Sprachen gut sprechen und verstehen können. Das müssen gar nicht immer die lebenden Fremdsprachen sein, das dürfen auch gern die Sprachen sein, die heute keiner mehr aktiv spricht. Und spannend wird es dann, wenn jemand eine Sprache entdeckt oder entschlüsselt, die verloren geglaubt war. Mich haben die Hieroglyphen der Ägypter schon als Kind begeistert und es hat mich brennend interessiert, wie man diese lesen kann.

Lange konnte niemand mehr die Hieroglyphen der Ägypter verstehen. Die Bildsprache der Ägypter war nicht mehr entzifferbar. Doch durch den Stein von Rosetta wurde ein Weg zum Verständnis wieder möglich. Der Stein enthält einen Text, der in drei verschiedenen Sprachen abgefasst wurde: Es finden sich ptolemäische Hieroglyphen, demotisch-ägyptische Schrift und Altgriechisch. Jean-François Champollion gelang es durch den griechischen Text die demotische Inschrift zu entziffern und darüber gelang auch eine Entschlüsselung der Hieroglyphen. Die Entdeckung des Steines von Rosetta (oder auch Rosette) und auch viele  andere Zeugnisse ermöglichten es, dass wir heute wieder die Bildschrift verstehen können. Wie wunderbar!

Keiner von uns spricht heute mehr diese alten Sprachen, aber es ist gut, dass sie entschlüsselt und verständlich sind. Von diesem Stein geht noch heute eine große Faszination aus. Millionen Menschen schauen ihn sich jedes Jahr im Original in London an. Warum? Weil wir das Alte eben nicht einfach über Bord werfen können, sondern weil wir es brauchen. Es zeigt uns, woher wir kommen und dass uns Menschen mehr ausmacht als Essen, Schlaf und Arbeit.

Ich wünsche ihnen viele Entdeckermomente im Jahr 2023. Und vielleicht entdecken Sie ja in diesem Jahr etwas, was sonst noch niemand entdeckt hat. Und vielleicht bleibt ja doch etwas Zeit für eine neue Sprache oder das Auffrischen einer alten?

Ihre Pfarrerin Christiane Börstinghaus