Brot für die Welt

Brot für die Welt zum verabschiedeten Lieferkettengesetz

Zur Verabschiedung des Lieferkettengesetzes durch den Deutschen Bundestag sagt Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt:

„Der Bundestag hat heute endlich das lang erwartete Lieferkettengesetz verabschiedet - ein großer Erfolg auch für die vielen Engagierten aus Zivilgesellschaft und Kirche und hunderttausende Menschen in Deutschland, die sich in den vergangenen Jahren dafür eingesetzt haben.

Unternehmen müssen sich nun darum bemühen, Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung bei der Produktion zu verhindern. Kinderarbeit oder die Vergiftung von Flüssen darf es nun auch in den Ländern des globalen Südens nicht mehr geben. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle soll die Einhaltung überwachen und kann Sanktionen verhängen.

Dies ist ein wichtiger Paradigmenwechsel – kein Hoffen mehr auf freiwillige Unternehmensverantwortung, sondern sanktionsbewehrte Kontrolle. Menschen in Ländern des globalen Südens sind besonders häufig von wirtschaftsbezogenen Menschenrechtsverletzungen betroffen und deutsche Unternehmen über ihre Lieferketten daran beteiligt. Für unseren Konsum werden tagtäglich Menschen ausgebeutet, von ihrem Land vertrieben oder erkranken wegen mangelnden Arbeitsschutzes. Es war überfällig, dass Deutschland als wichtige Wirtschaftsnation Staaten wie Frankreich und den Niederlanden folgt und ein Lieferkettengesetz verabschiedet.

Der Schritt ist also richtig, die konkrete Umsetzung aber bleibt leider hinter unseren Erwartungen zurück: Aufgrund des massiven Drucks einiger Wirtschaftsverbände fehlen dem Gesetz wichtige Elemente, um die Menschen wirksam vor Ausbeutung schützen zu können. Besonders schwer wiegt, dass die zivilrechtliche Haftung nicht geregelt ist. So bleibt Betroffenen weiterhin ihr Recht auf Wiedergutmachung verwehrt. Wir fordern von der Bundesregierung, dass sie sich besonders für diese Aspekte stark macht im Prozess für ein EU-Gesetz und für ein UN-Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten.“

Vor dem G7-Gipfel: Brot für die Welt fordert Impfgerechtigkeit

Mareike Haase, Referentin für internationale Gesundheitspolitik bei Brot für die Welt, fordert zum Start des G7-Gipfels globale Impfgerechtigkeit:

„Die Welt braucht endlich eine umfassende, temporäre Freigabe der Patente und geistigen Eigentumsrechte – eine Spende übrig gebliebener Impfdosen wird nicht ausreichen, um die Pandemie global einzudämmen. Erfreulicherweise haben sich die Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation gestern darauf geeinigt, in die konkreten Verhandlungen darüber einzusteigen. Wir erwarten, dass dies nun schnell und zielführend passiert. Die G7 sind der richtige Ort, weitere substantielle Schritte voranzukommen und die Verhandlungen innerhalb der WTO zu beschleunigen.

Nach Berechnungen der People´s Vaccine Alliance, der auch Brot für die Welt angehört, werden die ärmsten Länder bei der aktuellen Impfgeschwindigkeit noch 57 Jahre auf einen umfassenden Schutz warten müssen.

Im Gegensatz zur EU befürwortete die USA zuletzt die Freigabe von Impfstoffpatenten. Das ist gut, führt aber nicht weit genug. Wichtig ist auch eine schnelle Freigabe der geistigen Eigentumsrechte auf Tests und therapeutische Maßnahmen wie Beatmungsgeräte und Medikamente. Gerade jene Länder, die keine großflächigen Impfkampagnen starten können - wie aktuell in Afrika, Asien und Lateinamerika - sind dringend auf Tests und Therapiemöglichkeiten angewiesen.

Die WHO befürchtet, dass dieses zweite Jahr der Pandemie weitaus tödlicher verlaufen wird als das erste. Um das zu verhindern, müssen Länder alle möglichen Wege nutzen können, um ihre Bevölkerung vor den Folgen der Pandemie zu schützen. Dazu gehört auch, Arzneimittel selbst herzustellen und nicht darauf zu warten, bis einige wenige Unternehmen ihre Produktion ausweiten konnten und Impfdosen gespendet werden.“

Hintergrund:

Vom 11. bis 13. Juni kommen erstmals seit Beginn der Pandemie die Regierungen der G7 - Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Canada, USA - persönlich zusammen. Die Europäische Union genießt einen Gaststatus. Weitere Gastländer sind neben Australien und Südkorea auch Indien und Südafrika – die beiden Staaten also, die bei der Welthandelsorganisation die Aussetzung von geistigen Eigentumsrechten und Patenten auf Covid-19 Arzneimittel eingebracht haben (TRIPS Waiver). Der Vorstoß wird mittlerweile von über 100 Regierungen unterstützt, unter anderem den USA. Obwohl sich die EU weiterhin gegen einen TRIPS Waiver stellt, haben sich zuletzt Frankreich und Italien positiv dazu geäußert.

Wesentliches Thema des G7-Gipfels wird der weltweite Umgang mit der Corona-Pandemie und deren Folgen sein. Während die Länder Europas und Nordamerikas durch Impfungen und sinkende Infektionszahlen den Höhepunkt der Pandemie möglicherweise überwunden haben, wütet das Virus in anderen Teilen der Erde weiter - insbesondere in Südasien, Afrika und Lateinamerika. Tatsächlich stiegen die weltweiten Sterbezahlen in den vergangenen Wochen weiter an. Die Weltgesundheitsorganisation hat deshalb wiederholt an wohlhabende Staaten appelliert, im Juni und Juli mindestens 100 Millionen weitere COVID-19-Impfdosen und bis September 250 Millionen Dosen an Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu spenden, um dort zumindest die Risikogruppen, allem voran das Gesundheitspersonal, impfen zu können. 75% der Impfungen sind bislang in reichen Ländern erfolgt. Erfreulicherweise hat Deutschland mehrfach in Aussicht gestellt Impfdosen zu spenden – allerdings nur 30 Millionen bis Ende des Jahres.

Der TRIPS Waiver, also die zeitweise Aussetzung der Rechte des geistigen Eigentums auf Diagnostika, Therapeutika und Impfstoffe gegen Covid-19, ist der richtige Weg, um von einer „Impf-Wohltätigkeit“ zu Impfgerechtigkeit zu kommen. Unternehmen weltweit würden dazu berechtigt, in die Produktion notwendiger Arzneimittel einzusteigen. Einhergehend mit der Sicherstellung der Qualität dieser Produkte, kann dadurch mittelfristig mehr Impfstoff verfügbar gemacht und zügiger an neue Virusvarianten angepasst werden.

Die Europäische Union hat vergangene Woche einen Gegenvorschlag zum TRIPS Waiver vorgelegt, durch den die Produktion von Impfstoffen ausgeweitet werden soll. Darin betont die EU insbesondere die freiwilligen Kooperationen von Pharmaunternehmen und die Erteilung von sogenannten Zwangslizenzen. Die Erfahrungen der vergangenen zwanzig Jahre mit der Erteilung von Zwangslizenzen haben gezeigt, dass diese in jahrelangen und äußerst schwierigen Verhandlungen münden. Die beantragenden Regierungen werden von den Ländern, in denen die Patenthalter sitzen, meist stark politisch und wirtschaftlich unter Druck gesetzt. Zudem geht es bei den Zwangslizenzen immer nur um einzelne Patente und einzelne Länder. Die zur Herstellung erforderliche Informationen, die nicht als Patente, sondern beispielsweise unter Datenschutz-Gesetzen gesichert sind, würden nicht offengelegt. Für die zügige Produktion von Vakzinen für den weltweiten Bedarf ist aber eine grenzüberschreitende Kooperation zur Herstellung der diversen Impfstoffkomponenten notwendig. Die zeitweise Aussetzung aller Patente und geistigen Eigentumsrechte auf alle erforderlichen Covid-19 Produkte ist dafür der schnellste und effektivste Weg.

Direkt im Vorfeld des G7-Gipfels traf sich vom 8. bis 9. Juni im Rahmen der Welthandelsorganisation der sogenannte TRIPS Rat, der über den Antrag für einen TRIPS Waiver und den Vorschlag der EU verhandelte. Im Voraus wurden der WTO über 2,7 Millionen Unterschriften von Menschen aus aller Welt überreicht, die sich im Rahmen einer öffentlichen Petition für die Aussetzung von Patenten für medizinische Produkte gegen Covid-19 ausgesprochen haben. Der TRIPS Rat einigte sich darauf, nun unmittelbar in Verhandlungen an einem konkreten Text für einen TRIPS Waiver einzutreten

 

 

Zum Welttag gegen Kinderarbeit: Ein Symptom der Armut

Durch die Corona-Pandemie sind weltweit immer mehr Kinder zur Arbeit gezwungen. Bislang mussten laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) 150 Millionen Kinder zwischen 5-17 Jahren arbeiten. Da viele Eltern seit Ausbruch der Pandemie ihr Einkommen als Tagelöhner oder Straßenverkäuferin verloren haben, mussten Kinder mit zum Lebensunterhalt beitragen. „Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Corona Kindern ihre Zukunft nimmt“, sagt Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt. „Die Pandemie hat gezeigt, dass es mit dem Schulbesuch ganz schnell vorbei ist. Wenn Eltern kein Einkommen mehr haben, droht dies zum Dauerzustand zu werden. Kinderarbeit ist eines der schlimmsten Symptome von Armut.“

Aktuelle Zahlen veröffentlicht die ILO am 10. Juni. Kinderarbeit findet sich in vielen globalen Wertschöpfungsketten: vor allem beim Anbau von Kaffee, Kakao, Zuckerrohr, Baumwolle und Tabak. Weitere Güter, die im globalen Norden konsumiert und mit ausbeuterischer Kinderarbeit hergestellt werden, sind Kosmetik, Textilien, Handys, Ziegelsteine, Spielzeug oder Goldschmuck. Zwischen neun und 26 Prozent der weltweiten Kinderarbeit entfallen nach Experten-Schätzungen aktuell auf globale Wertschöpfungsketten. Auch im Tourismus arbeiten Millionen von Kindern: Sie verkaufen Souvenirs, arbeiten in Wäschereien, betteln oder sind zur Prostitution gezwungen. Um die weltweite Situation zu diskutieren, laden Brot für die Welt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Experten, ehemalige Kinderarbeiterinnen und die Leiterin des New Yorker ILO-Büros, Beate Andrees, zum digitalen Austausch ein (mehr Informationen unten).

Brot für die Welt unterstützt mit seinen Partnerorganisationen Familien dabei, ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu bestreiten, um nicht auf Kinderarbeit zurückgreifen zu müssen. Gemeinsam mit mehr als 100 Organisationen setzt sich das evangelische Hilfswerk für ein Lieferkettengesetz ein, dass Unternehmen zur Einhaltung von menschenrechtlichen Standards im Ausland verpflichtet. Brot für die Welt hat zudem mit Unterstützung der gobalen Kampagne „100 Millionen“ erreicht, dass das Parlament die Bundesregierung aufgefordert hat, zu überprüfen, ob die Einfuhr von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit gesetzlich verboten werden kann.

Laut ILO-Schätzungen müssen von den 150 Millionen betroffenen Kindern 73 Millionen unter Bedingungen arbeiten, die als „schlimmste Formen von Kinderarbeit“ bewertet werden: Sie arbeiten unter ausbeuterischen und oft gesundheitsschädigenden und gefährlichen Bedingungen. Erst im August 2020 haben alle 187 Mitgliedsstaaten der ILO das Übereinkommen zur Abschaffung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit ratifiziert.

Die Vereinten Nationen haben 2021 zum „Internationalen Jahr zur Abschaffung der Kinderarbeit“ ausgerufen. Zur Erreichung des von den Vereinten Nationen vereinbarten Ziels, Kinderarbeit bis 2025 zu beenden, bleiben der internationalen Gemeinschaft nur noch vier Jahre.

Hinweis für Redaktionen:

Die Kampagne „100 Millionen“ wurde 2016 von dem indischen Friedensnobelpreisträger und Brot-für-die-Welt-Partner Kailash Satyarthi gegründet, um weltweit gegen Kinderarbeit mobil zu machen. In Deutschland arbeiten Brot für die Welt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in der Kampagne mit.

Anlässlich des Welttags gegen Kinderarbeit am 12. Juni laden Brot für die Welt und die GEW zu einer internationalen Online-Veranstaltung , u.a. mit ehemaligen Kinderarbeiterinnen und Kinderarbeitern, jungen Aktivistinnen und Aktivisten der Kampagne „100 Millionen“ gegen Kinderarbeit und der UN-Sonderbeauftragten und Leiterin des ILO-Büros in New York, Beate Andrees, ein: 12.06.2021, 14:00 bis 16:00 Uhr - UN-Jahr 2021 gegen Kinderarbeit – Online-Veranstaltung
Anmeldungen sind hier möglich: https://www.brot-fuer-die-welt.de/termin/un-jahr-2021-gegen-kinderarbeit-online-seminar-366/?no_cache=1

Pressekontakt:
Thomas Beckmann, 030-65211-1443, thomas.beckmann@brot-fuer-die-welt.de

Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und Diakonie Hessen geben neue Studie zu abgeschobenen Afghanen heraus und fordern sofortigen Abschiebestopp

Die Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und die Diakonie Hessen fordern einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan. Einer am Freitag veröffentlichten Studie der Sozialwissenschaftlerin und Afghanistan-Expertin Friederike Stahlmann zufolge drohen abgeschobenen Afghanen Gefahr für Leib und Leben, Verelendung und Verfolgung. Unter anderem werde ihnen wegen der Flucht nach Europa Verrat, Verwestlichung, unmoralisches Verhalten oder die Abkehr vom Islam vorgeworfen. Auch die Familien von Europa-Rückkehrern sind der Studie zufolge gefährdet. Vor diesem Hintergrund fehlt den Rückkehrern vielfach das überlebenswichtige familiäre Netz. Bis auf einen Betroffenen haben alle bekannten Abgeschobenen das Land wieder verlassen oder planen dies. Zwei von ihnen haben Suizid begangen.

Die Studie „Erfahrungen und Perspektiven abgeschobener Afghanen im Kontext aktueller politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen Afghanistans“ ist im Auftrag der Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und der Diakonie Hessen entstanden. Die Untersuchung basiert auf einer mehrjährigen Forschung und dokumentiert die Erfahrungen von 113 der 908 zwischen Dezember 2016 und März 2020 aus Deutschland abgeschobenen Afghanen.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: „Wir gefährden sehenden Auges das Leben dieser Menschen durch Abschiebungen nach Afghanistan und setzen sie der Gefahr lebensbedrohlicher Verletzungen und Verelendung aus. Dies ist mit der Europäischen Menschenrechtskonvention unvereinbar. Wir fordern die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den Bundesländern einen generellen, bundesweiten Abschiebestopp nach Afghanistan zu beschließen. Der geplante Abschiebeflug am 8. Juni muss unterbleiben, die bereits inhaftierten Betroffenen müssen aus der Abschiebehaft freigelassen werden. Menschen dorthin abzuschieben, ist grob fahrlässig und bringt auch die dortigen sozialen und familiären Netzwerke der Betroffenen in Gefahr.“

Die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, mahnt an: „Die Lage im kriegs- und krisengebeutelten Afghanistan ist seit Jahren dramatisch und hat sich pandemiebedingt noch weiter verschlechtert. Die eskalierende Dynamik der massiven Verelendung der Bevölkerung und die Sicherheitslage müssen zu einer Neubewertung auch des Auswärtigen Amts führen. Es ist nun erstmals in umfangreicher Recherche belegt: Die meisten der Abgeschobenen sind erneut geflohen und befinden sich derzeit in verzweifelter Lage in Ländern wie Iran, Pakistan, Türkei und Indien –keineswegs sichere Aufenthaltsorte für afghanische Staatsangehörige. Der derzeitige NATO-Truppenabzug droht die Sicherheitslage weiter zu verschärfen.“

Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen: „Die Ergebnisse unserer Studie müssen nun auch Konsequenzen für die rund 30.000 Ausreisepflichtigen aus Afghanistan haben. Sie sind zum Teil trotz einer Duldung hierzulande gut integriert und gehen einer Beschäftigung oder einer Ausbildung nach. Das BAMF muss jetzt seine Entscheidungspraxis zu Afghanistan überdenken und es nicht den Gerichten überlassen, Menschen vor der Abschiebung zu bewahren. Vielmehr sollte ihnen von Anfang an die Bleibeperspektive auch rechtlich zugesichert sein. Allein im Jahr 2020 wurde in über 21.000 Fällen ein Widerruf der Flüchtlingseigenschaft für afghanische Geflüchtete geprüft. Das ist angesichts der derzeitigen Lage in Afghanistan absurd und verhindert das Ankommen in der Gesellschaft.“

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat in einer am 3. Februar 2021 veröffentlichten Grundsatzentscheidung festgestellt, dass alleinstehende gesunde Männer im arbeitsfähigen Alter nicht abgeschoben werden dürfen, wenn weder ein soziales oder familiäres Netzwerk noch sonstige begünstigende Umstände vorliegen. Die neue Studie belegt nun, dass die Wahrscheinlichkeit für ein aufnahmewilliges soziales oder familiäres Netzwerk sehr gering ist, denn die Unterstützung Abgeschobener stellt aufgrund der weitverbreiteten Kollektivhaftung auch für ihre Familien eine erhebliche Gefahr dar. „Betroffene Familien versuchen entweder, sich zu schützen, indem sie den Kontakt verweigern, oder Abgeschobene müssen versteckt bleiben. Dieser soziale Ausschluss aufgrund der spezifischen Sicherheitsrisiken macht eine Reintegration oder eine Existenzgründung für Abgeschobene auch unabhängig von der derzeitigen Eskalation der Not nahezu unmöglich. Der Schutz des Lebens ist nicht garantiert, Abschiebungen nach Afghanistan müssen gestoppt werden“, so die Herausgeber.

Mehr Informationen:
Studie „Erfahrungen und Perspektiven abgeschobener Afghanen im Kontext aktueller politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen Afghanistans“ sowie Fallbeispiele: https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/downloads/fachpublikationen/sonstige/AFG_Monitoring-Studie.pdf

Eine Zusammenfassung finden Sie hier: https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/downloads/fachpublikationen/sonstige/AFG_Monitoring-Studie_Zusammenfassung.pdf

Kontakt:
Kathrin Klinkusch, Pressesprecherin Diakonie Deutschland, Tel. 030 65211-1780, pressestelle@diakonie.de

Thomas Beckmann, Pressesprecher Brot für die Welt, Tel. 030 65211-1443 presse@brot-fuer-die-welt.de

Eckhard Lieberknecht, Pressearbeit Diakonie Hessen, Tel.: 0561 1095-3333, presse@diakonie-hessen.de

„Hinschauen, Mitfühlen und Menschlichkeit zeigen“

Gottesdienst zur Entpflichtung von Cornelia Füllkrug-Weitzel

In einem feierlichen Gottesdienst in der St. Elisabethkirche in Berlin ist die ehemalige Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel, heute durch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm offiziell entpflichtet worden. Nach mehr als einundzwanzig Jahren an der Spitze der beiden Werke ist die Theologin seit März im Ruhestand. Wegen der Pandemie-Situation war die offizielle Verabschiedung auf Ende Mai verschoben worden.

Repräsentantinnen und Repräsentanten aus Politik, Kirche und Gesellschaft würdigten die jahrzehntelange Arbeit von Cornelia Füllkrug-Weitzel für eine gerechtere Welt. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sagte in seinem per Video eingespielten Grußwort: „Sie gehen und gingen immer voraus. Ihre besonderen Tugenden, die kennen wir und schätzen wir: Unermüdlicher Einsatz für die besonders Benachteiligten und Notleidenden in allen Teilen der Welt, ein unerschütterlicher Gerechtigkeitssinn, Empathie und Überzeugung, christliche Nächstenliebe zu leben und zu verteidigen, Werte, Hinschauen, Mitfühlen und Menschlichkeit zeigen - so haben Sie es selbst genannt. Auch scheuen Sie keinen Streit, den Sie aus Überzeugung glauben führen zu müssen.“

In ihrer Abschiedspredigt über Johannes 6, 2-14 betonte Cornelia Füllkrug-Weitzel, dass genug für alle da ist, „wenn alle sich daran erinnern, dass Ressourcen zur Befriedigung der Grundbedürfnisse niemandem gehören, sondern ein Geschenk Gottes sind. Und darum Gemeingut, zum Nutzen Aller.“

Heinrich Bedford-Strohm sagte: „Am heutigen Tag ihrer Verabschiedung geht eine Ära zu Ende. Und auch wenn heute nur wenige Menschen hier in der Kirche sein können, im Geiste und im Herzen sind viele Menschen auf der ganzen Welt dabei. Denn Cornelia Füllkrug-Weitzel steht als Person wie kaum eine andere für die weltweite Dimension unserer Kirche.“

Auch internationale Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter würdigten die ehemalige Präsidentin der beiden Hilfswerke. Die kenianische Theologin und Vorsitzende des Zentralausschusses des Weltkirchenrates (ÖRK), Agnes Abuom, erinnerte in ihrem per Video eingespielten Grußwort an gemeinsame ökumenische Reisen auf dem „Pilgerweg für Gerechtigkeit und Frieden“, den der ÖRK initiiert hatte: „Du hast Deine Fähigkeiten unter Beweis gestellt, zuzuhören, zu teilen, Dich zu kümmern, den Menschen, vor allem den Frauen, eine Stimme zu geben, mit anderen Pilgern zu beten und zu arbeiten, um Gerechtigkeit, Menschenwürde und Menschenrechte für alle zu schaffen.“

Am 1. März hat die Theologin Dagmar Pruin die Nachfolge von Cornelia Füllkrug-Weitzel angetreten.

Die Hilfswerke Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe bilden gemeinsam mit der Diakonie Deutschland das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE) e.V. Vorsitzende des Vorstands ist Dagmar Pruin. Für das Werk sind am Hauptsitz in Berlin sowie in den Außenstellen im In- und Ausland 800 Mitarbeitende tätig. Das EWDE wird getragen von der EKD und ihren 20 Landeskirchen, den 17 Landes- und 67 Fachverbänden der Diakonie, den evangelischen Freikirchen sowie dem Evangelischen Missionswerk.

Hinweis für Redaktionen:

Pressefotos finden Sie am 29. Mai 2021 nachmittags unter www.brot-fuer-die-welt.de/presse/pressefotos/

Pressekontakt:

Renate Vacker, 030 65211 1833, renate.vacker@brot-fuer-die-welt.de

 

 

Wege aus der globalen Gesundheitskrise: Nur mit einem gesunden Ökosystem!

Der Kampf gegen COVID-19 und die Prävention zukünftiger Pandemien stehen als Top-Prioritäten auf der Agenda des heute startenden Weltgesundheitsgipfels der G20-Staaten in Rom und der am Montag beginnenden Weltgesundheitsversammlung. Brot für die Welt, Global Policy Forum und MISEREOR warnen davor, nur die Symptome der Corona-Krise zu behandeln und die tieferliegenden Ursachen der Pandemie zu vernachlässigen. Umweltzerstörung durch ressourcenintensive Lebensweisen oder auch industrielle Landwirtschaft begünstigen die Entstehung von Zoonosen wie COVID-19 und anderen Krankheiten. So führt etwa der Raubbau an Wäldern dazu, dass die Rückzugsgebiete für Wildtiere schrumpfen, was wiederum die Übertragung von Krankheitserregern von Tieren auf den Menschen und umgekehrt begünstigt. Die drei Organisationen appellieren an die Bundesregierung, sich bei den anstehenden internationalen Treffen für eine globale nachhaltige Gesundheits-, Ernährungs- und Umweltpolitik einzusetzen.

„Die Staatengemeinschaft darf sich bei der Bekämpfung der Corona-Krise und der Prävention künftiger Pandemien nicht nur auf technisch-medizinische Lösungen wie Impfstoffe verlassen. Wir müssen die strukturellen Ursachen globaler Gesundheitsprobleme stärker angehen“, fordert Ellen Schmitt, Fachreferentin für Gesundheit beim Werk für Entwicklungszusammenarbeit MISEREOR. „Corona hat die Menschen in Ländern mit einem schwachen Gesundheitssystem, ungesicherten Jobs und großen sozialen Ungleichheiten besonders stark getroffen.“

Ein wesentlicher Treiber für die Entstehung von Zoonosen wie COVID-19, aber auch anderen Erkrankungen sind die Eingriffe des Menschen in die Natur. Diese hängen sehr eng mit den gegenwärtig nicht nachhaltigen Landwirtschafts- und Ernährungssystemen zusammen. Hier geht es unter anderem um die Übernutzung der Natur und die Zerstörung von Wäldern wie im Amazonas-Raum zur Gewinnung neuer Futterflächen. „Wir müssen endlich dahin kommen, sichere und gesunde Lebensmittel auf umweltverträgliche Weise zu produzieren und die biologische Vielfalt zu schützen. Die Agrarökologie bietet hierfür den geeigneten Ansatz. Sie hat das Ziel, Lebensmittel nicht auf Kosten des Tierwohls und der Umwelt zu erzeugen“, erklärt Stig Tanzmann, Referent Landwirtschaft von Brot für die Welt.

Der „One Health-Ansatz“ nimmt genau dieses Zusammenspiel der Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt – dem gesamten Ökosystem - in den Blick und fordert interdisziplinäres und intersektorales Handeln. Dieser ganzheitliche Ansatz wird von der Bundesregierung als geeignet für die Prävention und Reaktion auf zukünftige Pandemien angesehen. „Tatsächlich bietet ‚One Health‘ auch die Chance, weitere Gesundheitsgefahren wie etwa die negativen Auswirkungen des Klimawandels, die chronische, nicht-übertragbare Erkrankungen begünstigen, anzugehen und das Wohlergehen von Mensch, Tier und Umwelt insgesamt besser in Einklang zu bringen“, sagt Karolin Seitz, Leiterin Programm Wirtschaft und Menschenrechte beim Global Policy Forum.

In dem gemeinsam veröffentlichten Briefing „Wege aus der globalen Gesundheitskrise - Mit dem One Health-Ansatz für gesunde Menschen, gesunde Tiere und eine gesunde Umwelt weltweit“ erläutern die drei Organisationen die Chancen dieses Ansatzes für die Lösung aktueller und künftiger globaler Gesundheitsprobleme. Das Briefing finden sie hier.

 

Pressekontakte:
Brot für die Welt: Renate Vacker, Pressesprecherin,
renate.vacker@brot-fuer-die-welt.de, Tel: 030 65211 1833

Global Policy Forum: Karolin Seitz,
karolinseitz@globalpolicy.org, Tel: 0175 866 2608

MISEREOR: Ralph Allgaier, Pressesprecher,
Ralph.Allgaier@misereor.de, Tel: 0160 905 558 53