Gottesdienst an Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

Gebet

Herr Jesus Christus, du bist aufgefahren in den Himmel.
Dir ist alle Macht gegeben.

Wir bitten dich:
Hilf uns, darauf zu vertrauen, dass du uns nahe bist, damit wir ohne Furcht leben und deine Gegenwart bezeugen.

Der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

Himmelfahrt ist ein schwieriges Fest. Mit der Himmelfahrt Jesu verbindet er wieder, was zusammengehört: Himmel und Erde. Nun müssen die Jünger, ja wir Christen alle, mit einem unsichtbaren Jesus leben. Und das ist gar nicht so leicht. Am Himmelfahrtstag trennt sich Gott nicht etwa wieder von der Welt. Vielmehr verbindet Jesus Christus durch seinen Weg zurück zum himmlischen Vater Himmel und Erde auf Dauer. Himmelfahrt, das heißt:
Jesus gehört ganz auf die Seite Gottes. Er ist aufgenommen in Gottes Wirklichkeit.
Und zugleich ist er ganz bei uns. Seine Nähe sprengt unsere Grenzen von Raum und Zeit.

Christi Himmelfahrt feiern wir – und dass der Himmel geöffnet bleibt durch ihn. Nein, weg, das ist er sicher nicht. Das mag ich nicht glauben, aber eben nicht mehr mit den Augen sichtbar. Für diese Zeit hat Jesus vorgesorgt.
Er hat seine Jünger darauf vorbereitet und doch haben sie oft nicht verstanden, was Jesus meinte.

Jesus spricht von einer innigen Vater-Sohn-Beziehung. So wie wir Menschen uns das oft auch wünschen. Er spricht vom Einssein, was oft so schwer fällt. Es spricht von den Jüngern und er spricht auch von uns heute. Er verbindet Vergangenheit und Zukunft.

So hören wir nun aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu (Joh 17, 20-26):

Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt, ehe die Welt gegründet war. Gerechter Vater, die Welt kennt dich nicht; ich aber kenne dich, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast. Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich liebst, in ihnen sei und ich in ihnen.

Einssein.
Wer tut das? Ehepaare sollten das sein. Nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Eine gute Fußballmannschaft sollte eins sein, nicht lauter Individualisten. Eltern und Kinder sollten eins sein als Familie, die an einem Strang zieht. Geschwister sollten eins sein, die gegen den Rest der Welt zusammenhalten. Christen sollen eins sein, gemeinsam der Sache Jesu anhängen.
Und doch sind das oft nur fromme Wünsche. Wie viele Ehepaare leben schon lange nebeneinander her und sind schon lange nicht mehr eins. Sind sich nicht einig darüber, was ein gemeinsames Ziel sein könnte. Haben nichts mehr, was sie miteinander verbindet.
Wie viele Fußballmannschaften bestehen aus lauter Einzelspielern, die nicht zusammen gewinnen wollen, sondern nur selber und allein glänzen wollen? Wo einfach nichts zusammengeht und man unsportlich miteinander umgeht, nur an sich selber denkt.
Wie viele Eltern haben Probleme mit den Kindern? Wie viele Kinder haben Probleme mit den Eltern? Keine liebevolle Beziehung, kein Draht zueinander, kein Verständnis für den anderen. Keine Gemeinsamkeiten außer dem gleichen Nachnamen. Wie viele Eltern lassen ihre Kinder im Stich, wenn sie gebraucht werden, und wie viele Kinder lassen die Eltern fallen, weil sie sie nicht mehr wollen?
Wie viele Geschwister sind sich uneins, völlig zerstritten, weil man sich über Kleinigkeiten gestritten hat, von denen keiner mehr weiß, was es eigentlich war. Man ist sich nur sicher: Der andere hat angefangen. Die andere ist uneinsichtig. Oder man ist sich egal, redet nicht miteinander, interessiert sich nicht für den anderen. Oft ist der Schmerz da groß, wo menschliche Beziehungen nicht mehr gelingen. Warum auch immer. Der Schmerz ist groß, wenn man merkt, wie menschliche Beziehungen auseinanderbrechen, auseinanderfallen.
Ja, und wie sieht das bei uns Christen aus? Wir sind doch schon lange nicht mehr eins. Und das fing nicht erst mit der Reformation an, sondern schon viel früher. Schon unter den frühen Christen gab es Streit. Schon da war man uneins, wie man was zu verstehen und auszulegen hatte. Man verketzerte sich gegenseitig, man schlug sich im wahrsten Sinne des Wortes die Köpfe ein. Man zog mit Knüppeln in die Synode und machte auch Gebrauch davon. Man sprach dem anderen ab, Christ zu sein, weil er eine andere Meinung hatte. Man schloss sich gegenseitig aus, warf sich gegenseitig raus. Und die Spaltungen des Christentums sind noch lange nicht beendet. Auch da ist der Schmerz oft groß, wenn wir eben nicht gemeinsam Abendmahl feiern können und wenn die Unterschiede so stark betont werden, dass es keinen gemeinsamen Nenner zu geben scheint. Die vielen verschiedenen Konfessionen können da bedrückend wirken und einen daran zweifeln lassen, dass wir doch irgendwie eins sein könnten. Der Streit ist groß. Eine Annäherung nicht von allen Seiten gewünscht.

Kann da eigentlich von Einssein gesprochen werden? Ist das möglich? Jesus kann das, so zeigt es das Johannesevangelium. Man hatte wohl geahnt, dass es mit der Einheit der Jünger und deren Nachfolger nicht weit her ist. Johannes beschreibt, was Jesus tat: Er, der die Jünger beieinander gehalten hat, der manchen Streit schlichten musste, der weiß, was da kommen wird. Denn die Jünger waren sich schon nicht eins. Auch sie kannten Konkurrenz, Streit und Neid. Wer darf wohl neben Jesus im Himmelreich sitzen? Wer ist der Größte unter den Jüngern? Wen liebt Jesus wohl am meisten? Wer darf ganz vorn dabei sein? Nicht einmal die Jünger begriffen: Wir sind eins. Wir gehören zusammen.

Und das, obwohl die Jünger den klaren Vorteil hatten: Sie kannten Jesus von Angesicht zu Angesicht. Sie sind mit ihm unterwegs gewesen. Hatten seine Worte gehört, seine Wunder gesehen. Sie waren dabei. Hautnah, ganz eng. Weil sie Jesus vor Augen hatten, konnten sie den Gottesnamen sicher verstehen: „Ich bin da.“ Denn Jesus war da. Er zeigte Gott in dieser Welt mit seiner Anwesenheit. Dort, wo Jesus war, da war auch Gott. „Ich bin da“, so spürten es alle, weil Jesus ungeteilt da war. War er da, war er da, nicht schon woanders. Er war da für die Jünger, die Kranken und die Gesunden. Er war da für die, die ihn brauchten, aber auch für die, die ihn schmähten. Er machte keinen Umweg um die Menschen, die ihm begegneten. Er ging auch zu denen, zu denen sonst keiner ging.

Ich bin da, da für euch. Zu den Jüngern konnte Jesus das sagen, ganz ohne Umwege, ganz direkt, von Angesicht zu Angesicht.
Aber auch zu uns heute sagt er genau das: Ich bin da, ich bin für euch da. Das haben Menschen immer und immer wieder erfahren dürfen, und auch wir dürfen das erfahren. Jesus ist da, wenn wir ihn auch nicht mehr sehen können, so sehen wir aber doch seine Spuren in dieser Welt.

Einssein bedeutet: Wir müssen miteinander reden, im Kontakt bleiben. Das ist bei Ehepaaren so, aber auch bei Geschwistern. Auch für Kinder und Eltern ist das immens wichtig. Das gilt für Mannschaften und auch für uns Christen. Wenn wir eins sein sollen und wollen, dann brauchen wir die Kommunikation, denn wie oft scheitert das Leben an der Kommunikation. Und das sollte ohne Zorn und Wut geschehen, sondern mit Ruhe und Bedacht und auch mit gegenseitiger Rücksichtnahme. Nicht ohne Konflikte und auch nicht als Eiapopeia, aber doch mit Respekt voreinander. Schon auch mit Auseinandersetzung, aber immer wieder als Zusammensetzung, so möchte ich es sagen. Einssein heißt nicht Gleichmacherei, keine Gleichschaltung. Einssein bedeutet sicher nicht alles gemeinsam haben, aber doch wissen, was einen eint. Es darf sicher eine Vielfalt in der Einheit möglich sein. Diese Vielfalt kann auch als Geschenk begriffen werden, weil sie viele Möglichkeiten eröffnet.

Einssein der Christen, das geht auch in verschiedenen Konfessionen. Einssein heißt: An einem Strang ziehen und nicht vergessen, wer der Mittelpunkt unseres Glaubens ist: Jesus Christus, Gottes Sohn und Mensch zugleich. Dann darf auch die Ausprägung ganz unterschiedlich sein, weil wir ja nicht alle den gleichen Geschmack haben. Wir dürfen unterschiedliche Lieder mögen. Wir dürfen verschiedene Schwerpunkte setzen. Wir müssen nicht alle über einen Kamm scheren. Wir dürfen verschiedene Gottesdienstformate bevorzugen. Unsere Erwartungen dürfen komplementär sein. Wir dürfen eine unterschiedliche Vorliebe für Predigten haben. Wir dürfen jung sein und alt, oder auch dazwischen. Doch uns sollte bewusst sein, die Liebe Gottes zu seinen Menschen, die gilt allen Menschen, auch denen in verschiedenen Konfessionen. Es geht nicht um ein Einswerden mit dem Gleichmachen aller Dinge. Es geht nicht darum, immer die gleiche Meinung zu haben. Es geht aber um den einen Herrn Jesus Christus, an den wir Christen alle glauben.

Wie das mit dem Einssein geht, das beschreibt Paulus wunderbar: Viele Gaben sind es, aber nur ein Geist, der alles zusammenhält. Viele Glieder sind es, aber nur ein Leib. Nur gemeinsam bilden die Glieder einen Leib. Nur alle zusammen bilden ein großes Ganzes. Und jedes einzelne Glied darf seine Funktion haben, keines muss, kann und darf wie das andere funktionieren. Aber zusammen ergibt es etwas, das zusammengehört.

Jesus betet darum, dass wir alle Eins werden. Wir sollen und dürfen Eins sein. Auch wenn das nicht immer klappt, so sollten wir aber nicht aufgeben. Als Christen gehören wir zusammen, weltweit und hier vor Ort. Wir gehören zusammen trotz der verschiedenen Konfessionen. Und das tun wir nicht aus uns heraus, das tun wir, weil wir einen Herrn haben: Jesus Christus.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen

Fürbitte

Vater im Himmel, wir danken dir:
Du erfüllst die Weite des Alls mit schöpferischer Kraft.
Du trägst die ganze Welt mit grenzenloser Güte.
Du regierst die Erde durch Christus, unseren Herrn.

Wir bitten dich für die Christenheit:
Stärke sie in der Gewissheit, dass Christus bei ihr ist bis an der Welt Ende.
Lass sie eins werden im Glauben, Hoffen und Lieben.
Ermutige sie zu dem befreienden Wort und zu der helfenden Tat.

Wir bitten dich für unsere gefährdete und zerrissene Welt:
Wehre allen zerstörerischen Mächten.
Lass alle in Wissenschaft und Technik, in Wirtschaft und Politik sich verantwortlich wissen vor dir und Eintreten für ein menschenwürdiges Leben.
Gib allen, die sich für ein friedliches Miteinander der Völker und Menschen einsetzen, die Zuversicht, dass ihre Arbeit nicht vergebens ist.

 

Wir bitten dich für die Menschen deren Fragen unbeantwortet bleiben,
die ihr Leben sinnlos finden,
denen der Himmel verschlossen scheint.

Christus hat den Himmel geöffnet. Darum bitten wir dich:
Richte auf die Gebeugten.
Nimm Engstirnigen die Angst vor der Weite.
Öffne Rückwärtsschauenden den Blick in die Zukunft.
Lass Zerstrittene das erste Wort der Versöhnung wagen.

Wir loben dich:
Du erhältst deine Schöpfung,
du befreist uns zur Nachfolge Christi.

Amen.

Vater unser im Himmel!
Dein Name werde geheiligt.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.


Das Textblatt können Sie hier herunterladen.

Von diesem Gottesdienst gibt es eine Audio-Aufnahme. Wenn Sie Interesse daran haben, wenden Sie sich bitte an das Pfarramt.