Gottesdienst am 2. Sonntag nach Epiphanias, 17.1.2021


Jesus verwandelt Wasser in Wein; Bild von falco auf Pixabay

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Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde,

einen waschechten Pommern bringt so schnell nichts aus der Ruhe! Das ist klar. Die meisten Situationen werden stoisch angegangen oder gar hingenommen. So schnell lässt er sich nicht bange machen oder von irgendetwas erschüttern. Nur wenige Dinge vermögen es, dass der Pommer nervös wird. Dazu gehört die eine mangelnde Vorratshaltung bei Festen. Das Schlimmste was einem Pommern passieren kann ist, dass das Essen und Trinken bei einem Fest nicht ausreichen könnte. Wenn ein Pommer ein Fest plant, dann tut er das nicht auf Kante genäht, sondern sehr großzügig. Dass am Schluss alles leer sein könnte, das wäre ein Armutszeugnis. Und das schlechthinnige Horrorszenario wäre, dass schon zwischendurch etwas aus sein könnte, selbst wenn noch genügend andere Dinge vorhanden sind. Das geht gar nicht! Es muss genug von allem sein, sonst stimmt da was nicht. Wenn man nicht mindestens noch die nächsten Wochen etwas von den Resten hat, dann ist da was schief gegangen.

Liest ein Pommer das heutige Evangelium, dann bleibt er zunächst sprachlos. Da muss er den Kopf schütteln. Wie kann das sein? Wein leer? Kein Getränk mehr vorhanden? Eine Schande! Schlechte Planung! Kein Weitblick? Geiz? Dummheit? Woher jetzt Wein nehmen? Wer schafft Abhilfe?
Also da wird der Pommer nervös.

Aber nun ist das Weinwunder nicht in Pommern geschehen, sondern in Kana, aber auch da wird man nervös. Hören wir den Predigttext [Joh 2, 1-12]:

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.
Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß.
Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Danach zog er hinab nach Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder und seine Jünger, und sie blieben nur wenige Tage dort.

Liebe Gemeinde,

eine Hochzeit und Jesus ist mit seinen Jüngern eingeladen. Auch seine Mutter befindet sich unter den geladenen Gästen. Wie es damals üblich war, werden viele Menschen dabei gewesen sein. Verwandte von nah und fern. Freunde und Nachbarn, alle mit dabei. Zunächst scheint das rauschende Fest ein voller Erfolg gewesen zu sein, doch plötzlich geht der Wein aus. Was tun?
Welch Katastrophe! Mitten im Fest. Und dann geht es doch alles gut aus. Schuld daran hat Jesus, oder besser seine Mutter. Gegen seinen ausdrücklichen Willen setzt sie im Hintergrund die Hebel in Bewegung, damit es wieder genug zu trinken geben kann. Sie sorgt dafür, dass Jesus sich endlich in der Öffentlichkeit zeigen muss. „Was er sagt, das tut!“ Auch wenn Jesus gar nicht wollte. Aber er konnte schließlich auch die Gastgeber nicht hängen lassen.

Das Verhältnis von Jesus und Maria scheint schwierig zu sein. Nicht gerade freundlich redet er mit seiner Mutter. Er herrscht sie an. Aber sie bleibt ruhig. Sie lässt sich nicht aus der Fassung bringen trotz der ungehobelten Worte ihres Sohnes. Sie sucht nach einem Ausweg aus der Notlage, findet ihn. Diese Reaktion ist großartig. Sie weist ihn nicht zurecht: „So redet man nicht mit seiner Mutter.“ Kein Zorneswort. Und doch bringt sie Jesus dazu das zu tun, was sie von ihm erwartet. Sie traut sich, was sich nur Eltern trauen. Sie nimmt Jesus in Anspruch und lässt ihn nicht aus der Verantwortung. Schnurstracks läuft sie zu den Dienern. Sie spricht die Diener an, egal was Jesus vorher sagte. Sie ist zuversichtlich, dass ihr Sohn die Hochzeitsgesellschaft nicht hängen lassen wird. Und so sprechen die Diener Jesus an. Diese behandelt er wohl freundlich. Kein unachtsames, harsches Wort an sie. Nur die klare Ansage: „Füllt die Krüge mit Wasser!“ Mehr sagt er nicht. Und das können die Diener natürlich. Wasser auffüllen, das gehört zu ihren täglichen Aufgaben. Nichts leichter als das. Und doch sehe ich es in den Köpfen rauchen. „Der Wein ist leer und was sollen wir jetzt mit dem Wasser? Sollen die Gäste ab jetzt Gänsewein trinken?“
Doch, o Wunder! Kein Gänsewein, sondern vorzüglicher Wein. Besser als der erste, ausgegangene Wein. Neuer Wein, guter Wein, schmackhafter Wein. Das Fest kann weitergehen!

An dieser Stelle muss der Pommer erst einmal aufatmen. Das ist ja noch mal gutgegangen. Trotz schlechter Planung hat sich das Problem in Wohlgefallen aufgelöst.

Jesus hilft gegen seinen zunächst geäußerten Willen. Rettet das Fest. Das erste Zeichen ist ein Paukenschlag.

Das Johannesevangelium stellt dieses Weinwunder an den Anfang von Jesu Wirksamkeit. Mit diesem ersten Zeichen soll deutlich werden: Jesus kann mehr als alle antiken Götter. Aus Wasser wird Wein.
Zum ersten mal ist Jesus nun öffentlich in Erscheinung getreten. Er zeigt zum ersten Mal in der Öffentlichkeit, was er drauf hat. Erstes Wunder, ein Luxuswunder.

Der Mensch der Antike kennt Weinwunder. In den Tempeln des Dionysos ereigneten sie sich immer wieder. Da wurde aus einfachem Wasser wie durch Zauberhand Wein. Wie das funktionierte kann man noch heute in  antiken Tempelanlagen sehen. Pausanias bestätigt das Vorhandensein von Weinwundern in seinem Reisebericht. Dort werden Weinkrüge leer in einen versiegelten Raum geschlossen. Am nächsten Tag wird das Siegel gebrochen und in den Krügen befindet sich tatsächlich Wein.

Wenn Jesus nun Wasser in Wein verwandelt, dann soll deutlich werden: Jesus überbietet Dionysos. Er schafft mehr, er braucht dafür keine unterirdischen Leitungen. Kann es einfach mit gefüllten Wasserkrügen. Er muss nur volle Krüge haben und schon geht es los. Was Dionysos kann, das kann Jesus noch besser. Wein in Hülle und Fülle. Ja, so viel, dass es fast unanständig viel ist. Ich habe noch meinen neutestamentlichen Professor in Greifswald im Ohr, der vorrechnete, wie viele Kisten Wein das wären. Er kam immerhin auf 57 bis 85 Kästen Wein à 12 Flaschen mit je 0,7 Liter Fassungsvermögen. Zwischen knapp 500 und 700 Liter besten Weins kommen bei der Umrechnung heraus.

Johannes macht zugleich aber auch deutlich: In diesem Wunder ist mehr geschehen als dass ein paar Liter Wasser zu Wein werden. Hier endlich zeigt sich Gott. Hier offenbart sich die Herrlichkeit Jesu. Hier beginnt etwas ganz neu. Hier wird ein Neuanfang gewagt. Jetzt wird sich Jesus aus der Deckung begeben. Jetzt scheint Gottes Licht sichtbar in der Welt. Jetzt müssen es doch alle erkennen.

Johannes berichtet von 6 weiteren Zeichen, die Jesus tut. Und immer sind sie etwas Besonderes. Immer zeigt sich an ihnen: Jesus kann mehr. Er schafft das, was sonst niemand schafft. Dabei heilt Jesus einen Blindgeborenen. Es reicht nicht aus, dass er seine Blindheit irgendwann erworben haben könnte. Er weckt einen Toten auf, der schon 4 Tage im Grab liegt. Es reicht nicht, dass er gerade verstorben ist. Aus der Ferne heilt er ein Kind. Er muss nicht vor Ort sein, damit ein Wunder geschieht. Er heilt einen, der 38 Jahre lang krank war. Auch hier eine unglaublich lange Zeit der Krankheit. Aber gerade da zeigt Jesus seine Wirksamkeit. Gerade hier erweist er sich als der Sohn Gottes.

Ja, Jesus kann mehr, so sagt es das Johannesevangelium. Jesus ist nicht ein dahergelaufener Tunichtgut, nein Gott zeigt sich in ihm. Jesus schafft es, dass ein Fest weitergefeiert werden kann. Er ruft Menschen ins Leben zurück. Er kann heil machen, auch wenn der Kranke nicht vor ihm steht.

Im Weinwunder von Kana zeigt sich eine unerwartete Fülle. Es reicht für alle. Ja, es kann und darf sogar noch etwas übrigbleiben, obwohl wir davon nichts wissen, weil es nicht erzählt wird. Aber der Pommer darf beruhigt sein. Es gab für alle genug. Keiner musste durstig nach Hause gehen. Gott schenkt so viel, dass niemand durstig bleiben muss. Er will immer wieder auffüllen, nachfüllen und das nicht nur in Kana bei der Hochzeit, sondern ganz konkret auch in unserem Leben: heute und hier. Auch wenn wir meinen, dass nichts mehr geht, so gibt Gott immer wieder neu. Füllt auch unser Leben immer wieder neu. Auch wenn wir mit unseren menschlichen Möglichkeiten am Ende sind, ist Gott noch lange nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen. Wenn es in uns leer aussieht, dann dürfen wir uns wieder neu füllen lassen. Mit Jesus ist einer in die Welt gekommen, der nicht nur kurzfristig Lebensfreude möglich macht, sondern er ist einer, der langfristig Leben möglich macht. Mit ihm ist Hoffnung nicht nur ein Wort. Mit ihm wird deutlich, was Hoffnung ist. Er ist Grund der Freude, weil er ein Freund der Freude ist. Nicht leibfeindlich, sondern einer, der gern mal über die Stränge schlägt und einer, der Freude möglich macht. Er eröffnet Möglichkeiten, die wir allein nicht sehen können. Er schenkt Leben mit Hoffnung und Freude.

Maria war sich sicher: Jesus lässt die Hochzeitsgesellschaft nicht hängen. Und so bin ich mir sicher, dass er uns nicht hängen lassen wird.

Wir sind also nicht nur auf uns allein gewiesen mit unserem Denken und Handeln, sondern wir dürfen immer auch ein Stück weiter schauen. Wir müssen uns nicht durch allein menschliches Denken beschränken lassen, sondern dürfen darüber hinaus Hoffnung und Vertrauen haben.
Wir dürfen unendlich viel von Gott erwarten. Er ist und bleibt da. Schenkt mehr, als wir verstehen können. Gott kann mehr als unser Verstand zu fassen vermag. Er führt heraus aus der Enge und den Sackgassen des Lebens. Er führt in die Fülle, in die Freude. Er füllt unser Leben immer wieder neu, so wie sich in Kana Wasserkrüge in Weinkrüge verwandeln konnten. In diesem Jesus zeigt sich Gott, wie gut!

So kann es heißen: Ende gut – Alles gut!

Das beruhigt und freut auch den Pommern.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.

Amen.


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