Was bleibt?

Sarah Grasser, 1. April 2020

Der Alltag steht still. Bei allen wirklich berechtigten Sorgen die ich mir auch mache, birgt Corona auch Chancen.

Wir hetzen durch den Alltag und sind mit den vermeintlich „wirklich wichtigen“ Dingen des Lebens beschäftigt. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, diese Divise ist bezeichnend für unsere Gesellschaft.

Und jetzt?

Vieles aus unserem Alltag kann zurzeit nicht erledigt werden, wir müssen warten. Wir müssen in der Gegenwart und im Moment leben, weil die Zukunft ungewiss ist. Sich den Eindrücken der Gegenwart bewusstwerden, sie wirken zu lassen und in ihnen zu versinken, ist die Grundlage jeder ästhetischen Erfahrung. Dieses Lernen steht dem schulischen Lernen entgegen, welches momentan ja auch weitestgehend auf Eis gelegt ist.

Was bleibt also?

Sind es nicht die Dinge, die wir im Alltagsgewühl der Betriebsamkeit vernachlässigen müssen, denen wir uns jetzt hingeben können? Kreativ werden und gestalten lautet jetzt mein Grundsatz. Ein gutes Buch lesen und Geschichten hören, Filme sehen, Kuchen backen, Kaffee trinken. Alles wonach wir uns sonst sehnen, weil keine Zeit ist, kann jetzt den Raum einnehmen, der diesen Dingen zusteht. Schnell werden sie als Müßiggang, als unwichtig und trivial abgewertet.  Dabei können sich doch erst in der Freiheit eines Augenblicks Kreativität, Bildung und mein Selbst wirklich entfalten. 

Wie sehr freuen wir uns auf die Pausen im Alltag, in denen wir für diese „unwichtigen“ Beschäftigungen Zeit haben. Und wir schieben sie auf, vor uns her, weil es nicht gestattet ist das Schöne vorzuziehen. Jetzt schon; weil wir Zeit haben. Und vielleicht sehen wir vieles anders, auch wenn die Krise überwunden ist.

Bei allen Sorgen, die uns in der aktuellen Situation belasten und die wirklich nicht verkannt werden sollten, nutzen wir die Auszeit!

Was ist jetzt wichtig? Sind es wirklich die Dinge, die wir für wichtig hielten?