Gott ist gegenwärtig

Barbara Hertel-Ruf, 8.April 2020

Brot

Die Kirche, die Gemeinschaft im Gottesdienst, das Abendmahl. Orte der Gegenwart Gottes, die wir lieben und schätzen – und jetzt schmerzlich vermissen, vor allem in dieser Woche, der Karwoche.

Alles war so selbstverständlich.

Und jetzt? Kein Gottesdienst in der Kirche, keine Gemeinschaft, kein Abendmahl.

Ich denke an das Volk Israel in der „babylonischen Gefangenschaft“. Weit weg vom verheißenen Land, weit weg vom Tempel – dem Ort der Gegenwart Gottes.

Und was geschah? Die Israeliten – das Volk Gottes – entdeckte seinen Glauben und seinen Gott ganz neu. Gegenwärtig in seiner Schöpfung. An keinen Ort gebunden. An kein Ritual.

Und wir? Was können wir entdecken in dieser Zeit, in der uns so enge Grenzen gesetzt sind?

  • Kirchen sind geöffnet. Ich kann hingehen, wenn auch allein und spüren: Gott ist gegenwärtig
  • Gottesdienste werden übertragen: im Fernsehen, im Radio, im Internet: Gott ist gegenwärtig
  • Kerzen brennen in Fenstern, Menschen beten und ich spüre: Gott ist gegenwärtig
  • Ich gehe spazieren, staune über die erwachende Natur, die mir zuruft: Gott ist gegenwärtig
  • Ich esse ein Stück Brot, schließe die Augen, erinnere mich an das letzte Abendmahl Jesu und weiß: Gott ist gegenwärtig

Immer wieder erleben Menschen, dass ihnen genommen wird, was selbstverständlich schien.
Und dass doch Gott nahe ist auch da, wo wir es nicht erwarten.
Gott will uns nichts wegnehmen. Er will uns neu die Augen öffnen für ihn und seine Gaben.

Wir können ihn neu entdecken!

Helfen kann uns dabei das Lied „Gott ist gegenwärtig“ von Gerhard Tersteegen, zu finden im Gesangbuch (EG 165), v.a. die Strophen 1,5,6,8