Besinnung

Bild: © Marion Leineweber mit freundlicher Erlaubnis der Künstlerin„Sag mal, hörst du mir eigentlich zu? Hörst du, was ich sage?“

Wie oft habe ich wohl diese beiden Fragen schon selber gestellt? Ich weiß es nicht. Ich wünsche mir, dass mir zugehört wird, wenn ich etwas erzähle, erkläre. Aber wie oft höre ich gar nicht zu, wenn ein anderer spricht? Höre ich noch auf die Weihnachtsbotschaft oder drängen sich andere Töne in den Vordergrund? Kann und will ich das noch immer hören: Gott wird geboren als Mensch?

Nun steht wieder die stille Zeit vor der Tür, dabei ist die Zeit schon lange nicht mehr still. Wo auch immer man unterwegs ist, schallen einem die Advents- und Weihnachtslieder entgegen. Und ob es passt oder nicht, hört man an jeder Ecke den alten Hit „Last Christmas“, der inhaltlich nun gar nichts mit Weihnachten zu tun hat. Aber es reicht, dass immer wieder im Refrain das Wort „Weihnachten“ zu hören ist.

Man kann darüber klagen, dass die stille Zeit inzwischen zu einer lauten Zeit geworden ist. Man kann sich darüber ärgern, dass es laut ist und Hektik herrscht.

Oder aber man lernt wieder neu das Hören. Weihnachten ist ein Fest des Hörens. Die Hirten auf dem Felde hören erst einen Engel: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Die Hirten haben damals auf die Botschaft der Engel gehört. Sie haben sich auf die Suche gemacht und Gott gefunden. Sie hören den Engel seine wunderbare Botschaft verkündigen und glauben ihm. Sie hören das Wort, sie schauen zum Himmel, sie machen sich auf den Weg.

Hören wir doch wie die Engel darauf. Hören wir, dass uns der Heiland geboren wird und uns zum Heil kommt. Hören wir, dass die Engel uns sagen: Fürchtet euch nicht! Mit diesem Kind kommt Gott selbst uns entgegen. Er zeigt sich in dieser Welt. Er macht sich der Welt gleich.

Das kann ich nur hören, wenn ich es wage, still zu werden.

Ich möchte es mir vornehmen in der Advents- und Weihnachtszeit: Ich möchte hören. Ich möchte mir jeden Tag einen Moment der Stille gönnen, damit ich hören kann, dass Gott in unsere Welt kommt und ich mich freuen darf. Die Botschaft der Engel soll auch bei mir ankommen dürfen. Ich möchte hören, dass dieser Heiland auch für mich geboren wurde. Ich darf die alten Worte hören und sie heute neu hören. Damit ich hören kann, nehme ich mir jeden Tag nur ein klein wenig Zeit. Ich weiß schon jetzt: Es wird mir gut tun und ich werde wieder auf die Weihnachtsbotschaft hören können.

Die Engel sprechen uns zu: „Freut euch! Auch heute noch. Macht die Ohren auf für die gute Botschaft Gottes! Ja, Gott kommt. Er ist euch nahe! Hört hin! Dann hört ihr nicht nur das Weihnachtsgedudel überall, sondern dann hört ihr auch, was wir euch sagen wollen. Freut euch! Gott kommt!“

Ihre Pfarrerin Christiane Börstinghaus

Bild: © Marion Leineweber mit freundlicher Erlaubnis der Künstlerin

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