Besinnung

Haltende Hände III

Liebe Gemeinde,

manchmal staune ich. Ich staune über unsere Welt, wie gut und schön sie ist. Ich staune über Pflanzen, Tiere und Menschen. Wie gut und schön das alles gemacht ist. Wir Menschen sind ein Wunderwerk. Alle Dinge an unserem Körper haben ihre Funktion. Jedes erfüllt seinen Zweck. Manche Körperteile besitzen wir einmal, andere doppelt. Doch unsinnig an unserem Körper ist nichts.

Ich staune darüber, wie wunderbar alle Dinge aufeinander abgestimmt sind. Wir haben zwei Beine zum Fortbewegen. Wir haben zwei Augen, damit wir sehen können. Zwei Hände gehören zu uns, mit denen wir anpacken können und die wir auch in den Schoß legen dürfen.
Unsere Hände sind bei vielen Dingen im Spiel. Mit unseren Händen geben wir uns Zeichen der Zuneigung, aber auch Zeichen der Ablehnung. Hände können gefühlvoll streicheln und grob zuschlagen. Sie können auf jemanden zeigen und damit jemanden bloßstellen oder aber jemanden hervorheben und damit auch belobigen. Wir falten zum Gebet die Hände. Wir stellen uns damit bewusst in die Welt Gottes hinein. Wir klatschen in die Hände und bringen damit unser Wohlgefallen zum Ausdruck.

Der Baiersdorfer Verein, der sich um das Zusammenleben mit Geflüchteten müht, heißt „Hand in Hand“. Da ist der Name Programm. Nur zusammen, nur gemeinsam, Hand in Hand eben kann Integration gelingen. Da muss ich meine Hand reichen und ein anderer muss einschlagen, dann kann etwas wachsen.

Ein Händedruck sagt manchmal mehr als tausend Worte. Er besiegelt Freundschaften und auch Verträge. Er versöhnt Feinde. Der Händedruck schafft Nähe und Vertrautheit. Er schafft Verbindlichkeit. Er knüpft Bande zwischen Menschen.

Am Ende des Gottesdienstes gebe ich gern die Hand und verabschiede mich damit persönlich von den Gottesdienstbesuchern. Mir ist das wichtig. Zeigt es doch: Ich nehme dich wahr. Ich nehme dich an. Gut, dass Du hier in Gottes Haus warst.

Ja, ich staune. Ich staune darüber, dass Gott uns unsere Hände geschenkt hat. Mit ihnen können wir einschreiten, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Wir können sie erheben gegen Unrecht und Gewalt.
Ja, ich staune. Ich staune darüber, dass Gott uns unsere Hände geschenkt hat. Mit ihnen können wir so viel Gutes tun, so viel reichen und erreichen. Nutzen wir unsere Hände, um Gutes zu tun, wenn es nötig ist.
Ja, ich staune. Ich staune darüber, dass Gott seine Hand über uns Menschen hält und wir in seinen Händen geborgen sein können. Lassen wir uns in seine Hände fallen.

Ihre
Christiane Börstinghaus

Foto: Flickr by Maik Meid: "Haltende Hände III"
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