Besinnung

Brot und WeinLiebe Gemeinde,

in der Bibel gibt es einen Psalm, der mich schon immer fasziniert hat. Er spricht von der guten Schöpfung Gottes. Er führt vor Augen, wofür wir Menschen danken dürfen. Zwei Verse möchte ich herausgreifen. In Psalm 104 heißt es: „Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.“

Das Brot ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Früher wurde es zu jeder Mahlzeit gereicht. Kein Essen ohne Brot. Brot wurde gehütet und nichts war schlimmer, als wenn das Brot verdarb. Schon seit 8000 Jahren kultivieren wir Menschen Gräser hin zu unserem heute bekannten Getreide. Reis, Mais, Weizen, Gerste, Roggen, Hirse, Hafer, Dinkel, Einkorn und noch einige Sorten mehr kennen wir heute. Es macht viel Arbeit, bis aus einem Getreidekorn ein Brot geworden ist. Verschiedenste Menschen sind beteiligt daran, bis wir ein Brot erwerben können: Bauern, Müller, Bäcker. Es braucht Zeit, Sonne und Regen, den richtigen Boden.

Wir heute aber vergessen so oft, welche Stellung Brot hat. Bei uns gibt es Brot heute in Hülle und Fülle. Uns Deutschen wird nachgesagt, wir hätten die größte Auswahl an Brotsorten weltweit. Und doch gehen wir oft nicht bewusst mit diesem wertvollen Nahrungsmittel um. Wenn wir heute einen Bäckerladen betreten, dann lacht uns das frische Brot in den verschiedensten Formen und Größen an. Mit und ohne Körner, rund oder lang, groß wie ein Wagenrad oder ganz klein wie ein Handteller. Eher fest oder ganz fluffig, süß oder herzhaft, hell oder dunkel.

Aus den unterschiedlichsten Getreidesorten wird es hergestellt. Da gibt es für jeden Geschmack das richtige Stückchen. Mögen Sie am liebsten helles Brot? Bevorzugen Sie eine kräftigere Sorte? Muss es noch warm sein? Darf es auch schon 4 Tage alt sein? Auch da sind die Geschmäcker verschieden. Jeder von uns bevorzugt etwas anderes. Brot ist schon lange nicht mehr unser Hauptnahrungsmittel Nummer 1, so wie es einmal war. Und doch bleibt es ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Ich bin dankbar, dass wir ausreichend Brot haben dürfen. Ein Sprichwort sagt: „Es gibt kein hartes Brot. Nur ohne Brot ist es hart.“ Aber wir Menschen leben nicht nur vom Brot allein. Wir leben auch von dem, was wir uns nicht selbst geben können. Wir brauchen neben dem Brot, das unseren leiblichen Hunger stillt, auch noch Gott, der unseren geistlichen Hunger stillt. Er will uns Worte ewigen Lebens geben, damit wir nicht mehr hungern müssen.

Wenn wir miteinander Abendmahl feiern, wird das deutlich: Das Brot des Lebens wird uns dort geschenkt. Gott verbindet sich mit uns, damit unser Hunger gestillt werden kann. Nein, leiblich satt werden wir da nicht, aber geistlich werden wir gestärkt.

Wir bitten im Abendmahl um das tägliche Brot. Das brauchen wir. Bitten wir aber auch um das tägliche Brot, das unsere Seele nährt.

Ich lade Sie herzlich ein: Lassen Sie sich vom Brot stärken. Ganz handfest mit gutem Brot und auch geistlich mit dem Brot des Lebens.

Ihre Pfarrerin Christiane Börstinghaus