Besinnung

Aus dem neuen Gemeindebrief online:

Dietrich Bonhoeffer (* 4. Februar 1906, † 9. April 1945)Dietrich Bonhoeffer (um 1938)

Liebe Gemeinde,

am 9. April 1945 wurde im KZ Flossenbürg einer der großen Theologen des 20 Jahrhunderts ermordet: Dietrich Bonhoeffer. Deshalb soll er heute im Mittelpunkt der ersten Worte stehen. Für mich hat sein Lied „Von guten Mächten“ bis heute eine große Strahlkraft. Wir finden es im Gesangbuch gleich zweimal: EG 65 und EG 637 mit einer jeweils anderen Melodie. Bonhoeffer sitzt in Haft als er den Text des Liedes verfasst. Er legt dieses Gedicht einem Brief seiner Verlobten Maria von Wedemeyer bei.

Bonhoeffer wird als sechstes Kind seiner Eltern am 4.2.1906 in Breslau geboren. Mit sieben Geschwistern wächst er in einem großbürgerlichen Haushalt auf. Nachdem er als 17-jähriger sein Abitur abgelegt hatte, begann er mit dem Studium der evangelischen Theologie. Er promoviert und habilitiert sich nach seinem Studium und wird 1931 zum Pfarrer ordiniert. Ein Jahr in den USA erweitert seinen Horizont.

Bonhoeffer stand der Machtergreifung der Nationalsozialisten kritisch gegenüber. Er warnt schon im Jahr 1933 deutlich vor den Gefahren, die von einem solchen Gedankengut ausgehen werden. In einer Rundfunkansprache warnte er, dass aus dem Führer ein Verführer werden könnte. Er schließt sich den Kreisen in der Kirche an, die sich einer Gleichschaltung der Kirche widersetzen. Und damit nicht genug, auch politisch schloss er sich einer Widerstandsgruppe an. Am 5. April 1943 wird er verhaftet und schließlich zum Tod verurteilt.

Nach dem Krieg tat sich die Kirche zunächst schwer mit dem Erbe Bonhoeffers. Er galt eher als politischer, denn als christlicher Märtyrer. Bonhoeffer hatte die Auffassung, man könne Nationalsozialist und Christ zugleich sein, strikt abgelehnt, damit war er vielen Kirchenoberen, aber auch dem einfachen Kirchenvolk auf die Füße getreten. Inzwischen wird Bonhoeffer aber als einer der wichtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts anerkannt. In Deutschland gibt es zahlreiche nach Bonhoeffer benannte Gebäude: Schulen, Kirchen, Gemeindehäuser, Straßen.

Bonhoeffer wollte aufrechter Christ sein und er ist wegen seiner christlichen Haltung vielen zum Vorbild geworden. Er kannte Zeiten des sicheren Glaubens und auch Zeiten voller Zweifel. Letztlich aber fand er immer wieder den Weg zurück zu seinem Gott.

So betet er: Herr, in mir ist es finster, aber bei dir ist das Licht. Ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht. Ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe. Ich bin unruhig, aber bei dir ist der Friede. Ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den Weg für mich.

Ihre Pfarrerin Christiane Börstinghaus

 

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