Besinnung

VogelLiebe Gemeinde,

mit der wieder kräftiger werdenden Sonne kommen auch wieder die Lebensgeister ans Licht. Nach der Ruhe des Winters ist nun wieder Arbeit im Garten oder auf dem Balkon an der Tagesordnung. So mancher Grill wird wieder in Betrieb genommen, die Gartenstühle wieder herausgeholt und aufgebaut. Manch frohes Lied wird wieder angestimmt. So stimmen wir Menschen mit unseren Stimmen ein in das Summen und Brummen der Natur. Wir erleben das Wachsen und Gedeihen. Wir erfreuen uns an der Farbenpracht nach der Tristheit des Winters. Jetzt lebt wieder alles auf. Jetzt atmet wieder alles auf. Jetzt werden die Ärmel wieder hochgekrempelt und mit neuer Kraft angepackt.

Ich selber erwische mich in dieser Zeit bei Summen oder gar Singen des bekannten Liedes von Paul Gerhardt: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“.

Er schrieb das Lied in düsterer Zeit. Europa lag in Schutt und Asche. Der 30jährige Krieg forderte seinen Tribut. Viele Menschen waren betroffen von den Wirren und Folgen des Krieges. Es gab Tote zu beklagen, Verletzte zu beweinen, Vertriebene neu aufzunehmen. Häuser mussten wieder aufgebaut werden. Städte und Dörfer vom Schutt befreit werden. Alles lag im Argen. Und da dichtet Paul Gerhardt ein Lied voller Zuversicht und Hoffnung. Er singt ein Lied der Freude über die gute Schöpfung Gottes. Und er weiß: Er muss das erzählen. Er muss das Gute betonen. Er muss ein Lied des Lebens singen gegen all das Graue, Kaputte.

Wir hätten viel Grund zur Klage. Die Artenvielfalt schwindet. Überall erleben wir weniger Singvögel. Die Natur ist auf dem Rückzug. Unsere Welt ist noch immer stark geteilt in Arme und Reiche. Kriege wüten auf unserem Planeten. Der Nachbar ist dem Nachbarn Feind. In der Arbeit herrscht Missgunst und Hartherzigkeit. Noch immer regiert das Geld die Welt und nicht die Liebe.

Obwohl Paul Gerhardt in einer Welt lebt, die keineswegs heil ist, singt er. Er richtet den Blick auf das Gute, das Schöne. Er blickt in Gottes Schöpfung und freut sich an dem, was er sieht.

Auch uns ermuntert er: Singt mit. Freut Euch an der Schönheit der Welt. Lasst den Kopf nicht hängen. Schaut, was Gott uns allen schenkt.

Lassen Sie sich anstecken! Singen Sie mit beim Lob auf unsere Schöpfung. Es macht gute Laune, hebt die Stimmung, verändert den Blick, lässt aufatmen.

Ihre Pfarrerin Christiane Börstinghaus

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