Besinnung

Woche der Brüderlichkeit 2019Mensch, wo bist Du? - Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“

Unter diesem Motto steht, die Woche der Brüderlichkeit 2019, die am 10. März mit einem Festakt im Nürnberger Opernhaus eröffnet wird. Die jährlich an verschiedenen Orten stattfindende bundesweite Aktion soll den Dialog zwischen Christen und Juden fördern. In ihrem Rahmen wird die Buber-Rosenzweig-Medaille an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die christlich-jüdische Verständigung verdient gemacht haben. Zur Liste der Preisträger gehört der frühere Ratsvorsitzende der EKD Nikolaus Schneider ebenso wie der Musiker Peter Maffay.

Dass Antisemitismus immer noch oder immer wieder ein Thema ist, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2017, die auf der Website des Bundesinnenministeriums einzusehen ist. Demnach stimmen 9 % der Befragten der Aussage zu, „Juden haben in Deutschland zu viel Einfluss“. 26 % sind der Überzeugung, „Viele Juden versuchen aus der Vergangenheit des Dritten Reiches heute ihren Vorteil zu ziehen“. 64 % ärgern sich, „dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden“. Die Zahl antisemitischer Straftaten steigt.

Was hilft? Bildung, Herzensbildung, persönliche Begegnungen und Vernetzung der Aufmerksamen. Dazu wird die Woche der Brüderlichkeit viele Möglichkeiten bieten. Die Einzelveranstaltungen sind auf der Website www.deutscher-koordinierungsrat.de zu finden und der Tagespresse zu entnehmen. Auf zwei Baiersdorfer Veranstaltungen wird im Anschluss verwiesen.

Auch die Kirchen arbeiten daran, eigene antijüdische Klischees zu überwinden. Dazu gehören Aussagen wie die, „Die Juden haben Jesus umgebracht“, „Pharisäer sind scheinheilig“, „Das Alte Testament ist überholt“. In den biblischen Gesprächen der Gemeinde ist das immer wieder Thema.

Einen ganz besonders wertvollen Beitrag zur christlich-jüdischen Verständigung leistet die Baiersdorfer Nikolauskirche. Die Emporenbilder verknüpfen jeweils eine Szene aus dem Leben Jesu mit einer aus dem Alten Testament, z.B. die Geißelung Christi mit der Misshandlung des Propheten Jeremia. Sie zeigen damit, wie Jesu Leben und Leiden unmittelbar mit der Geschichte seines Volkes Israel verbunden ist.

Auch die Mose-Darstellung auf der linken Hälfte des Altars weist eine Besonderheit auf: Die zehn Gebote sind auf Hebräisch geschrieben und zwar einwandfrei. Offenbar gab es in der damaligen Zeit gute Verbindungen der Kirchengemeinde zum Judentum und Interesse an deren Kultur und Schriftzeichen. Das passt zum Bild des Miteinanders von Juden und Christen in Baiersdorf, das über weite Strecken weniger von Ausgrenzung geprägt war als andernorts. Die jüdischen Familien waren nicht ghettoisiert, sondern lebten inmitten der christlichen Bevölkerung.

Als Motto für das christlich-jüdische Miteinander hat sich ein Kehrvers aus dem 133. Psalm eingebürgert, der auch als Kanon vertont ist: Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!

Hine ma tov uma naim shevet achim gam yachad

Ihre
Pfarrerin Christine Jahn


Hingewiesen sei auf zwei Führungen von Horst Gemeinhardt, StD a.D., Historiker, Stadtführer in Baiersdorf:

  • Erinnerungsgang zu den einstigen Wohnhäusern jüdischer Mitbürger; Montag, 11. März 2019, 14.00 Uhr – Treffpunkt: Baiersdorf, Seligmannstr. 1.
  • Erinnerungsgang über den Friedhof: Die sprechenden Steine; Freitag, 15. März 2019, 14.00 Uhr – Treffpunkt: Baiersdorf, Judengasse 14. (Sparkasse).

 

 

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