Besinnung

52 Kurzurlaube


Prayer (CC BY-NC 2.0) by Wiedmaier

Bild: "Prayer" (CC BY-NC 2.0) by Wiedmaier

Corona stellt auch den Urlaub auf den Kopf und macht einen Strich durch manche Planung. Wir hören vom Einbruch der Tourismusindustrie, die 2019 Rekordzahlen verbucht hatte: Da leisteten sich die Deutschen 71 Millionen längere Reisen und etwa 92 Millionen Kurzurlaubsreisen und gaben dafür knapp 100 Milliarden Euro aus.
2020 heißt die Schlagzeile: „Urlaub dahoam: Suche nach Wegen aus dem Overtourism“. Wir lesen von Hotels, die schließen müssen, und von drohender Arbeitslosigkeit in Urlaubsregionen. Selbst aus dem heiligen Land kommen Hilferufe, weil der Ausfall des Tourismus katastrophale Folgen hat.

Reisen erhöht die Infektionsgefahr, Nichtreisen steigert die Armut. Der Wandel hin zu nachhaltigerem Reisen wird dauern. Was mich allerdings wundert, mit welcher Heftigkeit manche geradezu ein Recht auf Reisen einklagen, als sei es ein Grundrecht, heilig und unantastbar.

Ich habe den Eindruck, auf die Urlaubsreisen ist übertragen worden, was eigentlich zum Sonntag gehört: himmlische Erwartungen, traumhafte Perspektiven, Aufatmen und Auftanken, existentielle Erfahrungen, unantastbares Glück. Paradiesisch wirken die Fotos. So, wie eigentlich der Sonntag gedacht ist: ein Vorgeschmack des himmlischen Paradieses zu sein.

Der Feiertag ist zu heiligen, nicht die Urlaubsreise. Wenn wir das dritte Gebot wenigstens ernst nehmen würden, vom Erfüllen ganz zu schweigen, da hätten wir 52 Kurzurlaube für Leib und Seele, ganz ohne Milliarden auszugeben.

Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn.

Pfarrerin Christine Jahn


Gegen eine Kommerzialisierung des Sonntags wenden sich die evangelischen und katholischen Dekanate Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach und Ansbach in ihrer gemeinsamen Stellungnahme vom 1. Juli 2020.