Adventandacht mit dem ImPuls-Chor am 21. Dezember 2020

Die Andacht fand über Zoom statt. Sie können sie hier ansehen:

Ansprache

„Und Action!“ So klang es gerade auf dem Filmset. Die Hauptdarstellerin bewegt sich wie eine Grazie durch die Szenerie. Deutlich merkt man: Da ist ein Profi am Werk. Doch plötzlich mittendrin erstarren ihre Bewegungen. Sie schaut irritiert. Da ist ein Problem aufgetreten.

Das Abendspiel ist in vollem Gang. Die Zuschauer können sich kaum halten. Es ist ein spannendes Spiel. Der Sieger keineswegs ausgemacht. Und so scheuen sie gespannt zu. Der Stürmer dribbelt auf das Tor des Gegners zu und plötzlich: Nichts mehr.

Sie sitzen gemeinsam rund um das Feuer. Das Stockbrot schmeckt vorzüglich. Eine Gitarre klimpert. Die Flammen brennen ruhig und alle sind einfach glücklich. Doch dann auf einmal ist es vorbei.

Was bei allen drei Situationen schief gegangen ist? Das Licht erlosch. Die Schauspielerin steht plötzlich im Dunkeln. Das Stadion legt einen dunklen Mantel um sich und das Lagerfeuer wird durch einen kräftigen Regenguss gelöscht.

Wenn einem das Licht ausgeht, dann steht man plötzlich ganz schön dumm da.

Wir sind es heute nicht mehr gewohnt, dass das Licht einfach ausgeht und Finsternis herrscht. Wir drücken bequem auf einen Schalter und schon wird alles ins rechte Licht gerückt. Aber diesen Luxus gibt es noch gar nicht so lange.
Das ist das Licht, das wir kennen. Das Licht, das wir selber an und ausmachen können, ganz nach Belieben.
Und dann scheint da täglich ein Licht am Himmel, dass uns den Tag hell macht. Und in der Nacht sind es andere Lichter, die in der Finsternis eine kleine Helligkeit schenken. Licht, auf das wir uns verlassen.

Aber dann gibt es da noch ein ganz anderes Licht. Eines, das wir nicht mit den Augen erfassen können. Da ist ein Licht, das auch in der finstersten Nacht scheint. Ein Licht, das alle Schatten vertreibt, die auf meinem Leben liegen. Dieses Licht vertreibt die Finsternis in mir, die sich um mich legt wie ein Mantel.

Von diesem Licht haben wir gerade gesungen. Wir haben es damit eingeladen zu uns, damit es auch bei uns hell werden kann.
Shine your light. Lass dein Licht leuchten.
Wir haben Jesus gebeten, er solle sein Licht auf uns, in uns und durch uns scheinen lassen.

Shine your light on me, Jesus. Lass dein Licht auf mich scheinen, Jesus.
Wer das singen und sagen kann, der weiß, dass es jemanden braucht, der es in seinem Leben hell machen kann. Da ist sich jemand bewusst: Ich brauche ein Licht von außen, das ich mir nicht selbst geben kann. Das muss sich mir schenken lassen.
Da kommt etwas von außen auf mich zu. Es legt sich wie ein Spotlight auf mich. Es strahlt mich an und setzt mich ins rechte Licht. Ja, Jesus will uns alle ins rechte Licht rücken. Er will uns anstrahlen, damit wir nicht im Finsteren stehen. Und dabei werden wir nicht geblendet. Wir müssen nicht die Augen schließen, weil wir nichts mehr sehen. Sondern mit diesem Licht sehen wir erst richtig.
Dietrich Bonhoeffer dichtet in seinem berühmten Gedicht: „Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.“ (EG 65, 5)
Dafür muss ich nichts tun. Dieses Licht kommt. Ich darf mich in dieses Licht stellen, weil dann mein Leben in Ordnung kommen wird. Wenn ich im Lichte Gottes stehe, dann ist klar: ich bin hoch angesehen. Jesus ist es, der für das Licht sorgen muss, dass auf uns scheint.

Shine your light in me, Jesus. Lass dein Licht in mir leuchten.
Wer das singen und sagen kann, der weiß, dass es jemanden braucht, der einem auf die Sprünge hilft. Manche Dinge kann ich nicht allein. Ich kann es manchmal nicht hell in mir machen. Da bin ich auf Hilfe angewiesen. Wenn mich die Sorge fest im Griff hat und alles dunkel in mir ist, brauche ich ein Licht, das in mir scheint, ohne dass ich es angezündet habe. Das muss ich mir schenken lassen.
Es ist ein Licht, das mein Inneres erhellt, wenn ich das zulasse. Aber ich muss es zulassen.
Jesus will es hell in mir machen. Und ich darf ihn darum bitten.
Dietrich Bonhoeffer kannte solche Dunkelheiten. Und so kann er beten:
„In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht ich bin kleinmütig, aber bei dir ist Hilfe ich bin unruhig, aber bei dir ist Frieden in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld ich verstehe deine Wege nicht, aber du weißt den rechten Weg für mich.“ [aus: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 204 f.]

Shine your light through me, Jesus. Lass dein Licht durch mich scheinen, Jesus.
Wer das singen und sagen kann, der weiß, dass auch ich das Licht Jesu in diese Welt tragen kann und muss. Wenn Jesus mich ins rechte Licht rückt und er in mir und durch mich das Licht anmacht, dann bin auch ich gefragt. Dann darf ich Licht für diese Welt sein und Jesus strahlt durch mich hindurch. Und ich darf Jesus in dieser Welt groß werden lassen.
Wenn ich etwas bekommen habe, dann darf ich das weitergeben. Gott braucht mich und meine Kraft. Ich kann von dem Beglückenden erzählen, was mir mit Gott geschehen ist und ich darf andere anstecken, auch dabei zu sein. Ich kann andere anstecken mit dem Licht, das Jesus mir geschenkt hat. Das Licht Gottes in dieser Welt muss auch durch uns scheinen. Weil er in uns leuchtet dürfen wir auch weitergeben.
Dietrich Bonhoeffer sagt:
„Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann. Dabei kommt es gar nicht auf die Zahl, sondern auf die Intensität an. Gott selbst lässt sich von uns im Menschlichen dienen.“ [aus: Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, Seite 567]

Das Johannesevangelium lässt Jesus Christus sagen: „Ich bin das Licht der Welt! Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ (Joh 8, 12)
Und es heißt im Matthäusevangelium: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5, 14)
Beides gehört zusammen. Wir sind das Licht der Welt, weil und in Jesus Christus das Licht der Welt leuchtet.

So laden wir Jesus doch ein in unser Herz. Bitten wir ihn: Shine your light on me. Shine your light in me. Shine your light through me, Jesus.

Amen


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