7. Der Introitus

Der Introitus ( = Einzug) verdankt seinen Namen dem altkirchlichen Brauch, den Einzug des Priesters und anderer Mitwirkenden in die Kirche mit einem Psalmgesang zu begleiten. War die Prozession auf dem Weg durch den Gang am Altar angekommen, wurde als Abschluss das „Gloria Patri“ („Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“) angestimmt.

Dem Introitus liegen meist alttestamentliche Psalmen zugrunde. Christen haben von Anfang an großen Wert darauf gelegt, diese alten Lieder, deren ursprüngliche „Melodie“ verloren gegangen ist, in ihren Gottesdienst mit zu übernehmen. Sie werden durch das „Gloria Patri“ sozusagen christlich getauft. Psalmen fassen menschliche Grundbefindlichkeiten auf einzigartige Weise in Worte. Sie leiten zur Dankbarkeit an nach der Melodie: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103) Sie verhelfen zur Einsicht: Das, was man darstellt oder besitzt, ist nicht allein Produkt eigener Anstrengung. Leben ist vielmehr ein himmlisches Geschenk. Diese Entdeckung bringt die Seele ins Schwingen. Das hat auch Auswirkungen auf den Alltag: Wer Gott dankbar lobt, kann nicht mehr so einfach an der Not seiner Geschöpfe vorübergehen. Psalmen bieten auch Raum zur Klage, die, anders als das fruchtlose Jammern, von sich wegführt zu Gott hin. Sich Psalmworte zueigen zu machen, ist unsagbar wohltuend.

Den meisten Introituspsalmen sind gregorianische Melodien unterlegt. Ihr Ursprungsort ist das Kloster mit seinen festen Gebetszeiten. Zeitgenossen, die nur ab und zu einen Gottesdienst besuchen, müssen sich beim Introitussingen meist mehr auf die Tonlage und die Textverteilung konzentrieren, als dass sie den Inhalt auf sich wirken lassen können. So entgeht ihnen die wunderbare Erfahrung, sich in vertraute Worte fallen lassen zu können wie in ein aufgespanntes Netz.

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