6. Das Sündenbekenntnis

Das geht ja gut los, mag mancher denken. Gleich am Anfang des Gottesdienstes ein Büßergewand anziehen, sich vor Gott klein machen und zerknirscht sein. Aber weit gefehlt!

Das Sündenbekenntnis öffnet vielmehr einen geschützten Raum, in dem man sich bewusst werden kann, wer man ist und mit wem man es im Gottesdienst zu tun hat. Es ist ein Angebot, sein Leben in einem neuen Licht zu sehen. Die Größenordnungen, die durch den Alltag verzerrt worden sind, können wieder zurechtgerückt werden, so wie es in dem Vers heißt: „Ewigkeit, in die Zeit leuchte hell hinein, dass uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine.“

Einfach nur da sein und erleben, was der Lieddichter sich wünscht: „Du durchdringest alles, lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ Vor Gott sein dürfen, wie man ist, und doch nicht so bleiben müssen. In diesem himmlischen Licht  kann einem nämlich erst richtig bewusst werden, dass all die Unruhe und Hektik, die Sorgen und die Selbstüberforderung mit dem verlorenen Kontakt zu Gott zu tun haben – theologisch gesprochen mit „Sünde“.

Es geht bei Sündenbekenntnis nicht um einzelne Verfehlungen, sondern um eine Grundhaltung, ein Verhältnis. Es ist keine Beichte. Gleichwohl wird einem die Nähe Gottes zugesprochen und somit neue Begegnung mit Gott ermöglicht. Das Sündenbekenntnis möchte gerade nicht niederdrücken, sondern aufrichten und einen aufatmen lassen.

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