13. Schluss

Gottesdienst ist nicht gleich Gottesdienst. Es gibt welche, die einen langweilen und kalt lassen und andere, die einen ansprechen, ja ins Herz treffen. Das hat zu tun mit der jeweiligen Lebenssituation, aber auch mit der sprachlichen, bildhaften und musikalischen Gestaltung. Unterschiedliche Formen haben verschiedene Alters- und Zielgruppen im Blick. Unsere Kirchengemeinde bietet hier ein reiches Spektrum - angefangen vom variablen agendarischen Gottesdienst am Sonntagvormittag über den „Gottesdienst für alle Generationen“ und den „Aufwind-Gottesdienst“, den You Go und den mini-Gottesdienst bis hin zu Friedens-, Literatur- und meditativen Gottesdiensten. Traditionelle, liturgische Formen wirken nachhaltiger, weil sie nicht einem schwankenden Zeitgeschmack unterworfen sind. Sie vermitteln Beheimatung und Vertrautheit. Sie können aber auch abschreckend sein für die, die keinen Zugang dazu finden. Hier sollen neue Formen als barmherzige Türöffner dienen. Es geht dabei nicht darum, eine Show abzuziehen. Das können andere besser. Ein Gottesdienst ist vielmehr ein Angebot für Menschen, die auf der Suche sind nach erfülltem Leben. Er will Kraftquelle sein für die, die der Alltag geschafft hat. Indem zugesagt wird, dass alles menschliche Tun eingebettet ist in das unaufhaltsame, oft verborgene Wirken Gottes, bietet der Gottesdienst Schutz vor Überforderung und Resignation. Menschen müssen nie und nimmer die Welt retten. Gottesdienst hat somit Bedeutung weit über das persönliche Leben hinaus. Hier wird öffentlich bekannt, dass Gott der Herr ist über diese Welt, über Vergangenheit und Zukunft, über Leben und Tod und nicht der Mensch. Gott sei Dank! So ist jeder Gottesdienst auch ein Fest der Dankbarkeit, das Menschen unterschiedlichster Interessen und Prägungen vernetzt und verbindet.

Inzwischen gibt es auch „Gottesdienste ohne Gott“ - Versammlungen am Sonntag („Sunday Assemblies“), eine Art Kirche für Menschen, die nicht an Gott glauben nach dem Motto: „Gut ohne Gott“ oder: „Live Better - Help Often - Wonder More“ (Intensiver leben, öfter helfen, sich mehr wundern). Offensichtlich stoßen solche Treffen auf ein vorhandenes Bedürfnis. Sie enthalten alle Elemente eines Gottesdienstes: Lieder zum Mitsingen (meist aus der Popszene), literarische Lesungen, Vorträge zur Lebensgestaltung und Phasen der Stille – aber alles eben ohne Gott. Schade, dass die TeilnehmerInnen freiwillig auf das Beste verzichten. Wie gut es da Menschen haben, die gelingende „Gottesdienste mit Gott“ vor ihrer Haustür vorfinden. Sie müssten nur hingehen.

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