11. Das Fürbittengebet

Im Idealfall geht dem Fürbittengebet eine heilsame Entlastung voraus - durch Worte der Bibel und der Predigt und durch die himmlisch-menschliche Begegnung beim Abendmahl. So gestärkt und befreit, können sich die Feiernden anderen zuwenden. Es hat seinen guten Sinn, dass das zunächst im Gebet geschieht.

Menschen teilnahmsvoll ins Gebet zu nehmen, gehört zu den vornehmsten Aufgaben von Christen. Kirche erschöpft sich nicht in Selbsterbauung. Sie ist vielmehr von höchster Stelle aus beauftragt, über die Kirchenmauern hinaus zu blicken, ja „mit Gott über Mauern zu springen“ (Psalm 18,30), um Menschen nahe zu sein. Man kann freilich nur dann vernünftig und treffend für andere beten, wenn man deren Befindlichkeit kennt. Deshalb gehört zur Fürbitte ein waches Interesse an menschlichen Befindlichkeiten und am Weltgeschehen.

Beten ist keine Ersatzhandlung für das Handeln, kein Alibi fürs Nichtstun. Indem man andere und ihre Nöte Gott ans Herz legt, verändert das die eigene Einstellung. Manchmal kann man nichts Konkretes gegen eine Not tun, sie „nur“ vor Gott tragen. Man kann sich aber durchs Gebet offenhalten für den Zeitpunkt, wo konkrete Hilfe gefragt und möglich ist. Man kann die Erfahrung machen: „Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat.“ (Jochen Klepper) Beten verpflichtet.

Und es entlastet. Wer sich für die Welt interessiert, könnte ja angesichts von himmelschreiendem Elend und Unrecht resignieren oder verzweifeln. Wer betet, rechnet aber damit, dass er nicht allein am Werk ist. Im Vertrauen auf Gottes „Aufstand“ gegen alles Todbringende muss er die Welt nicht retten. Er darf sich vielmehr als Mitwirkender an einer atemberaubenden Segensbewegung hin zum Leben sehen. Und er darf wissen: Kein Beitrag in Wort und Tat ist sinnlos und umsonst - um Gottes willen nicht.

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