1. Gottesdienst als Ort der Gotteserfahrung

Gotteserfahrung im Gottesdienst – gibt’s das? Sind unsere Gottesdienste da nicht viel zu starr und steif? Eine oft gehörte Forderung lautet doch: „Unsere Gottesdienste müssen lebendiger werden!“

Ich will jetzt nicht die verschiedenen Einwände gegen unsere „normalen“ Sonntagsgottesdienste aufzählen, die Kritik an Liturgie und Predigt – die kenne ich auch. Viel lieber möchte ich Sie einladen zu einem Ausflug in die Geschichte unseres christlichen Gottesdienstes.

Angefangen hat es tatsächlich an Lagerfeuern und in Zelten orientalischer Nomaden. Menschen, die in sehr enger Verbindung mit der Natur lebten, machten Erfahrungen, die sie als Gotteserfahrung deuteten. Von diesen Erfahrungen redeten sie, fassten in Bilder und Worte was ihnen begegnet ist, was sie gespürt und erlebt haben.
Das wurde weitererzählt, neue und eigene Erfahrungen kamen dazu, die auch erzählt und schließlich aufgeschrieben wurden. Jetzt wurde nicht nur erzählt, sondern auch vorgelesen.

Die Zuhörer interessierten die Erfahrungen hinter den Erzählungen und sie wünschten sich auch selbst Erfahrungen mit diesem Gott zu machen.

Diese „Lesungen“ waren Keimzelle und Grundbestandteile von gottesdienstlichen Veranstaltungen aus der Zeit des Alten Testaments um die herum sich eine feste Ordnung, eine „Liturgie“ bildete.

Auf diese Gottesdienstpraxis griffen die Christen zurück, als sie ihre ersten christlichen Gottesdienste feierten. Erfahrungen mit Jesus Christus bildeten nun das Zentrum gottesdienstlichen Feierns und die Sehnsucht nach eigenen Erfahrungen blieb die treibende Kraft.

Diese Sehnsucht gibt es auch bei uns und wenn in unseren Gottesdiensten die „alten Geschichten“ gelesen werden, dann hat das den gleichen Grund: die Sehnsucht, mit unserem Leben einzutauchen in lebendige Gotteserfahrung.

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