Beit Shalom

Verfasst von Administrator am 20. September 2009 - 13:28

„Beit Shalom” in Peru

Petra de Yalico im Gespräch mit Frau WittmannImmer wieder gibt es Gelegenheit, sich aus erster Hand über die von unserer Kirchengemeinde unterstützte Arbeit von Beit Shalom zu informieren. An einem Vortragsabend berichtete Petra Thümmler de Yalico anhand von eindrücklichen Lichtbildern über Schicksale von Menschen in Lima, in den Urwaldgebieten und im Hochland, wo sie und ihr Mann mit inzwischen zahllosen Mitarbeitern seit fast zwei Jahrzehnten tätig sind. Aktuelle Rundbriefe zur Arbeit von Beit Shalom finden Sie hier und im Archiv.

 

Frau Petra Thümmler de Yalico stammt aus Forchheim, und hat zusammen mit ihrem Mann Juan Yalico 1988 „Beit Shalom” gegründet. Sie erzählt mit vielen Bildern über Lebensgeschichten, Nöte und Schicksale von Menschen in dem faszinierenden Land Peru und wie diese durch die Hilfe und Unterstützung von Beit Shalom neue Hoffnung für ihr Leben erhalten.

Seit 1990 ist die Peru Hilfe Beit Shalom e.V. als gemeinnütziger Verein eingetragen. Deshalb werden Spendenquittungen erteilt. Das Spendenkonto lautet:
Peru Hilfe Beit Shalom e.V. Konto 883363, BLZ 763 510 40, Sparkasse Forchheim.

Rundbrief aus Peru von der Familie Yalico

„Gott ist so reich an Gnade,
so weise und vorausschauend,
seine Entscheidungen sind unergründlich,
und sein Handeln ist unbegreiflich.
Wer hat den Sinn des Herrn erkannt,
oder wer ist sein Ratgeber gewesen?
Wer hat IHM etwas gegeben,
dass es ihm wieder vergolten werden müsste?
Denn aus IHM und durch IHN
und zu IHM hin sind alle Dinge.
Sein ist die Ehre in Ewigkeit! Amen
Römerbrief 11, 33-36,
(damals bekannte Lobeshymne die Paulus in seinen Brief
aufnahm)

 

Lima, im Mai 2010

Peru-Hilfe Beit Shalom e.V.
91301 Forchheim 09191/89782

Eingetragen im Vereinsregister 422 Amtsgericht Forchheim

Beit ShalomLiebe Freunde und Geschwister,

wenn ich Worte suchen müsste, um zu beschreiben, was wir in den letzten Wochen erlebt haben, wie Gott mit seiner unerklärbaren Liebe und unendlicher Geduld seinen Menschen nachgeht und in seiner Macht  Lebenswege ordnet und ebnet, dann würde ich dieses alte Loblied wählen. Uns geht es mal wieder so, dass wir staunend sein Wirken sehen. Manchmal bleiben uns die Worte weg, weil er uns sprachlos macht, manchmal fehlt uns auch fast der Atem, um bei all dem was geschieht noch „mitzukommen“.

Susanna, eine liebe christliche Ärztin im Krankenhaus Loayza wurde mit der Sozialabteilung beauftragt. Das heißt in dem schwierigen Umfeld der Not der Menschen hier muss sie mitentscheiden und ordnen, wer welche Erleichterungen der Kosten bekommen kann. (innerhalb der begrenzten Möglichkeiten die man da hat).
Die Arbeit ist als schwierig bekannt. Kaum fing Susanna diesen Monat an, da sagt ihr unmittelbarer Chef, dass er einen speziellen Fall von ihr  jetzt gelöst haben möchte. Es handelte sich um einen 28jährigen Mann, der im April 2000 mit 18 Jahren vom Kinderkrankenhaus als Sozialpatient an Loayza „abgegeben“ worden war, da er aufgrund seines Alters dort nicht mehr hatte bleiben können.

Seit dem 6. Lebensjahr war er im Kinderkrankenhaus gewesen. Damals (1988) war er von seinen Eltern hingebracht worden. Der Bub hatte eine Lungenentzündung, schwere Magendarminfektion, war geistig schwer behindert und gelähmt, - es musste ein Luftröhrenschnitt gemacht werden, um die Atmung aufrecht zu erhalten und es wurden Sonden gelegt, um den Kleinen zu ernähren. Die Ärzte gaben dem Kind damals kaum eine Chance. Laut Unterlagen verschwanden die Eltern nach einigen Wochen. Wider erwarten überlebte aber das Kind, das wie ein etwa 4 oder 5 Monate altes Baby entwickelt war.
Es konnte gurgelnde Laute von sich geben und eine Rassel halten und leicht schütteln, (der Körper ganz gelähmt, mit Ausnahme der Unterarme, die Beine in verkreuzter Stellung). Ohne Zweifel in der Lage seine Pflegerinnen zu erkennen und mit Gesichtsmimik und Geräuschen darauf zu reagieren. Liebevoll wurde es als Sozialfall die ganzen Jahre von Schwestern betreut, überstand viele Infektionskrisen, konnte schließlich normal ernährt werden und auch die Atmung lief wieder auf natürlichem Wege ab. Aufgrund des Alters wurde er dann nach Loayza weitergegeben. Als einzige Unterlage der Familie existierte eine damals von den Eltern angegebene Adresse in einem der Randviertel Limas. Jahrelang war Josef als Sozialfall mit „durchgezogen" worden. Immer wieder hatten Ärzte moniert, dass er das dringend benötigte Bett so lange belegte. Auch hier war es eine Krankenschwester, die sich nun schon jahrelang liebevoll um ihn kümmerte und sich für ihn ins Zeug legte.  
Der aktuelle Chef übergab also Susanna die wenigen Papiere und sagte: „Der Patient kommt mir weg, sorgen Sie dafür"! Susanna antwortete: „Gott wird helfen, um dieses Problem zu lösen“.            
Sie sprach Elsa an (beide sind im Laufe der Zeit Freundinnen geworden) und bat sie um Gebetshilfe und Unterstützung bei der Suche der Eltern, da sie sich alleine in den Randsiedlungen verlaufen würde. Wir schlossen uns kurz und spürten, dass Gott uns als Beit-Shalom diese Situation aufs Herz legt. Elsa und Susanna machten sich mehrmals auf den Weg. Es brauchte einige Zeit bis die ungenaue damalige Anschrift  in den Wirrnissen der Sandhügel gefunden war. Aber dort lebte jetzt nur eine Schwester der Mutter. Mit höflichen Worten, ohne irgendein Detail bekannt zu geben, baten sie um die aktuelle Adresse. Tatsächlich lebten die Eltern des Jungen schon seit vielen Jahren nicht mehr dort, sondern waren in die Provinz gegangen, von dort aber vor etwa 1 1/2 Jahren wieder nach Lima zurückgekehrt, um zu versuchen Ärztin Susanna wiederum in einem der Slums Fuß zu fassen. Mit der neuen Anschrift in der Hand begann erneut die Suche.  
Wo es noch keine Straßen gibt und zwischen Strohmatten und Baracken in den schier endlosen Sandhügeln kaum Anhaltspunkte sind, erreichten sie mit ihrem unermüdlichen Einsatz schließlich den Platz.

Sie fanden die Frau vor (dann kam der Mann dazu), die natürlich verschlossen und misstrauisch die Fremden ansah. Susanna stellte sich als Beauftragte der Sozialabteilung von Loayza vor und begann mit Elsa behutsam das Thema anzusprechen. Die Frau brach schmerzerfüllt zusammen und weinte, der Mann rief unter Tränen immer wieder: „Ich hab’s dir gesagt - das Baby lebt, das Baby lebt." Die halbwüchsigen und erwachsenen Söhne (5) kamen auch dazu und riefen. „Warum habt ihr uns nie gesagt, dass wir einen Bruder im Krankenhaus haben?“ Die Emotionen schlugen hoch, Schuldgefühle, Angst vor einer Anzeige weil sie das Kind verlassen hatten, Angst vor den Schulden im Krankenhaus, Sehnsucht nach Vergebung - diese Menschen, die ihren Alltag ohne Gott leben, wussten nicht mehr wohin. Den Mann, der als Kofferträger am Flugplatz arbeitet und der seinen Kummer oft im Alkohol ersäuft rief immer wieder unter Tränen: „Das Baby lebt, das Baby lebt.“ Die Mutter, die im Abfall nach Wiederverwertbarem sucht, um den Alltag zu überleben, saß zusammengesunken auf dem Stuhl von Tränenkrämpfen und Schuldgefühl hin und her gerissen: „Vergib mir Kind, vergib mir." Die Söhne, erschüttert und vorwurfsvoll um sie herum. Elsa begann von der Liebe Gottes zu reden. Von seiner Vergebung, dass Gott alle Wunden heilt, dass er die Chance gibt zur Umkehr und zum Neubeginn. Der älteste Sohn sprach auf einmal. "Ja, davon habe ich schon was gehört, ich war in einer Kirche  und da haben sie auch so geredet. Ich war schon mehrmals im Gottesdienst, ich glaube, dass einen Gott gibt der uns liebt." - Er war der einzige, der eine
nähere Beziehung zu Gott im Aufbauen war.

Es brach aus der Mutter heraus, so viele Jahre hatte sie die Last mit sich rumgeschleppt:
- Damals, im Alter von wenigen Wochen war das Baby  an hohem Fieber erkrankt, sie konnte sich nur erinnern, dass es schwere Antibiotika bekam, das vorher gesunde Baby blieb ab dieser Zeit schwerstbehindert. So pflegte sie es in ihrer Hütte als immerwährendes Baby. Mit 6 Jahren wurde die Situation unhaltbar durch die Infektionen. Im Kinderkrankenhaus wurde diagnostiziert und behandelt: Luftröhrenschnitt und künstliche Ernährung. Das Kind war (mit anderen) in einem speziellen Raum, wo nur Personal Zugang hat und die Eltern es nur durch ein Fester sehen konnten. Umgeben von Sonden und Schläuchen. Die Eltern hatten kaum Geld. Die Ärzte sagten, das Kind hätte kaum Chancen zu überleben. Jedes Mal wenn die Eltern ins Krankenhaus kamen verlangte das Pflegepersonal, dass die Eltern Einwegwindel mitbringen sollen (damals kostete so etwas in Peru ein Vermögen) und dieses oder jenes Medikament besorgen. Da das Personal häufig wechselte merkten die Eltern eines Tages, dass sie von den Schwestern nicht als Eltern erkannt wurden, wenn sie wie andere am Fenster standen. Aus Angst vor den Forderungen schwiegen sie und gaben sich nicht mehr zu erkeimen. So kamen sie noch einige Monate, um ihr Kind Josef unerkannt durchs Fenster anzuschauen, unverändert mit Schläuchen und Sonden umgeben.

Eines Tages kam die Mutter zu Besuch und das Bett war nicht mehr da. Sie hatte Angst nachzufragen um nicht mit einer Anzeige oder Schulden konfrontiert  zu werden. Sie sagte sich selber, dass das Kind bestimmt tot ist, schließlich hatte sie es die Monate lang nur zwischen Schläuchen und Sonden gesehen, ohne jede Besserung.
Dabei beließen es die Eltern. Sie verließen Lima. Doch das Kind war nicht tot. Aufgrund des Alters war es in ein anderes Zimmer verlegt worden. Da die Eltern offiziell monatelang nicht mehr auftauchten galt das Kind als „abandonado“  = „im Stich gelassen“ (Was hier in den Krankenhäusern häufiger vorkommt).
Nachdem sich die Gemüter etwas beruhigt näherte sich Krankenhausfoto von Josef aus der Sozialakte die Mutter ihrem Kind wieder - das abweisend und fremdelnd die Frau ansah. Sie sprach ihn an: „Ich bin’s, deine Mutter“, weinend warf sie sich aufs Bett, umarmte den gelähmten jungen Mann und flehte: „Vergib mir, vergib mir mein Kind“. Das Gesicht des jungen Mannes verlor den fremdelnden, abweisenden Ausdruck, begann zu leuchten, statt der Krankenblässe machte sich gesunde Röte auf dem Gesicht breit, mit begeisterten Gurgelgeräuschen und die Rassel in der Hand mit aller Emotion schlagend antwortete Josef. - Es war ein Tränenmeer zwischen Pflegepersonal, Eltern, und Brüdern. Der Chef Susannas war da, hatte nasse Augen und sagte auf seine Art: „Das Blut ruft das Blut, nicht wahr?

Nun galt es die Zukunft zu ordnen. Die Familie wollte Josef nach Hause holen, der „Chef“ entschied, dass es aufgrund der schwierigen Soziallage der Eltern (er hatte den Bericht von Susanna) nicht möglich ist. Der Vater musste sich verpflichten die rechtliche Lage zu ordnen und sein Kind legal anzuerkennen und dann einen Personal-Ausweis erstellen lassen (eine Sache die bisher noch nicht geschehen war).
Somit würde Josef legal „existieren“ und konnte in eine Sozialversicherung aufgenommen werden, die den weiteren Verbleib im Krankenhaus absichern würde. Die rund 10.000 Euro Schulden wurden den Eltern offiziell erlassen. In Zukunft würde die Verantwortung der Familie sein, einen kontinuierlichen Kontakt mit Josef zu halten, bis sich vielleicht die Möglichkeit ergibt, ihn nach Hause zu entlassen.

5 Tage brauchte es bis die Personalpapiere geregelt waren. Jeden Tag besuchten Eltern und Geschwister abwechselnd und mit viel Enthusiasmus.
Am 6. Tag kam Josef wegen einer akuten Lungenentzündung auf Intensiv - sie konnten nicht mehr zu ihm.
Am 9. Tag starb Josef - Karwoche Dienstag. -
Am Gründonnerstag wurde der Sarg unter viel Tränen zu Grabe getragen. Eltern und Geschwister weinten all ihren Schmerz heraus, darüber Kind und Bruder zu verlieren. Tränen, die vorher nicht hatten geweint werden können. – „Wir hätten dich so gerne noch bei uns gehabt“ riefen sie immer wieder.

Zu Grabe getragen wurde ein geliebtes Kind mit Namen und Familie. Es wurde kein namenloses, verlassenes Menschenkind in einem anonymen Massengrab beerdigt. (Was geschehen wäre, wenn Josef vor diesem Treffen gestorben wäre.
Ein Kind war heimgekehrt in die Arme der Familie, heimgekehrt auch in die Vaterarme Gottes, der ihn am Leben erhalten hatte, um zum Segen zu werden für seine Familie, die durch Josef heimfand in die Arme Gottes.- Lebensmission erfüllt!
Welch ein Karfreitag, welch ein Auferstehungssonntag für diese Leute.
Noch steht für uns seelsorgerliche Betreuung an, aber mit ein oder zwei Besuchen mehr können wir dann abschließen, da der Kontakt zu einer Gemeinde in ihrer Nähe bereits am Entstehen ist.

Rosa, unser 14-jähriger Patient war im Februar vom Fahrrad gestürzt und hatte sich das gesunde Bein kompliziert zweifach gebrochen. Auch das noch ! - So lag sie wochenlang im Streckverband im Krankenhaus ohne dass sich der Zustand änderte, die Brüche heilten so nicht. Die Ärzte entschieden: OP              
Es fehlten spezielle Schrauben, die man nicht einfach so bekommt, weil sie importiert werden müssen. Endlich hatten wir das Set. Rosa kommt rein in den OP. Nach einiger Zeit kommt der Arzt raus und sagt der Mutter: „Alles bestens, wir sprechen uns am Donnerstag“. Elsa wunderte sich, als Rosa nach 5 Stunden aus dem Aufwachraum gefahren wurde, dass das betroffene Bein von oben bis Am Donnerstag brachte das Arztgespräch die Aufklärung. Rosa war bereits anästhesiert, und der Arzt tastete noch einmal die Bruchstellen ab, als er stutzte und um ein Röntgengerät bat. Die Bruchstellen fühlten sich anders an als wenige Tage vor der bei der letzten Untersuchung. Das Röntgenbild bestätigte es - an den Bruchstellen waren neue Zellen entstanden, so viele hatte sich gebildet, dass der Arzt sagte, es wäre ein Vergehen jetzt noch einmal den Knochen zu brechen, um die Schrauben zu setzen - der Körper hatte begonnen die Bruchstellen zu  heilen. Also, statt OP eingipsen! Rosa und ihre Mutter hatten wohl immer gebetet, dass Gott doch etwas tun würde, aber wie so oft überrascht uns der Herr. Nun ist Rosa schon seit drei Wochen bei uns, sobald der Gips verkleinert, bzw. abgenommen werden kann, ist das andere Bein dran. Die Ärzte sind optimistisch dass im Laufe des Jahres alle notwendigen Prozesse ablaufen können und sie am Jahresende normal wird laufen können. Das ist ja das Schöne an unserem Glauben - er ist erlebbar, ist real. Rosa ist überglücklich. Am Ostersonntag hat sie ihr Leben Jesus übergeben.

Erinnert Ihr Euch an die Familie aus dem Urwald mit der vererbbaren Augenkrankheit? Viele von Euch haben ihr Schicksal berührt mitempfunden. Wir haben wohl alle gespürt, dass Gott uns diese Familie ans Herz legt.
Last Euch erzählen:
Statt dass Mutter und Sohn zum vereinbarten Termin nach Lima kommen erreicht uns ihr Anruft, dass sie auf dem Weg zur Arbeit als Tagelöhner einen Unfall hatten. Carlos kann ja nur noch in unmittelbarer Nähe die Dinge sehen, aber selbst so arbeitet er auf dem Feld. Ihn hatte es am Schlimmsten erwischt. Eine tiefe Wunde von Nase bis Hinterkopf - 27 Stiche. Und er konnte vorläufig natürlich nicht reisen. Der Vater ebenfalls verletzt (angebrochene Rippen). Die Mutter kam also im Moment allein nach Lima – für sie stand die Grauer Star OP an - die Ärzte hofften ihr durch diese Operation zumindest die Chance zu geben, wieder zwischen Tag und Nacht unterscheiden zu können. 4 mal wurde die OP verschoben, ein wochenlanger Balanceakt der Nerven, weil die Frau wieder nach Hause wollte, um „nach ihrem Mann zu sehen.  Mit geschlossenen Augen Kartoffeln schälen. - trotz Blindheit kocht sie und wäscht für ihn.
Der behandelnde Arzt, der sich sehr der Familie annahm, gab uns die Adresse einer Organisation, die Blinden hilft im Leben zurecht zu kommen. Durch sein Engagement bekam Carlos die Chance zum Kontakt dort. Um seinen Termin der Therapie nach dem Unfall jetzt nicht zu versäumen wurde Elsa vorstellig und nahm auch die Mutter mit. Der Augenarzt hatte die Familie seinen Kollegen dort empfohlen und es öffneten sich Türen. Carlos bekam einen neuen Termin und auch die Mutter das Angebot, zwei Wochen grundlegende Techniken zu lernen, um mit ihrem Blindsein besser zurechtzukommen (auch das Laufen mit Blindenstock). So war bei aller Warterei der Segen eingebaut. Wäre die OP wie geplant gelaufen, wäre die Frau so schnell wie möglich zurück zu ihrem Mann. Aber dadurch, dass alles kreuz und quer lief entstanden Zeiträume und Begegnungen, die sonst nicht wahrgenommen hätten werden können. Carlos kam nun mit dem Bus an - seine sechsmonatige Therapie mit Ausbildung zum Braille-Physiotherapeuten den Gott für ihn bereitet hat. Damit könnte er eine bescheidene berufliche Grundlage haben. Er ist überglücklich mit dieser Perspektive und von Herzen dankbar. Die 22jährige unverheiratete Schwester Nelly, die bisher als Haushaltshilfe in Huancayo ihren Lebensunterhalt verdiente, kehrte nach dem Unfall zu ihrer Familie in den Urwald zurück, um ihnen beizustehen. Sie brachte auch die Mutter nach Lima. Die Untersuchungen haben ergeben, dass sie das einzige  Kind in der Familie ist, das nicht von der Erbkrankheit betroffen ist. Sie möchte an der Seite ihrer Lieben sein und begleitet sie also jetzt in Lima.
Noch brauchen wir die von der Organisation verlangten Zertifikate für Josef, dann beginnt seine Therapie und Ausbildung. Nelly wird dann täglich mit Mutter und Bruder, bzw. später nur mit dem Bruder per Bus in Lima unterwegs sein, um sie zur Therapie zu bringen. Zeitlich wäre es uns unmöglich gewesen diese Aufgaben zu bewältigen - aber Gott hat vorgesorgt. Nun liegt es uns am Herzen, diesem jungen Mädchen eine bescheidene Arbeitsgrundlage zu ermöglichen, während sie hier in Lima ist. Sie hat ja nach der bescheidenen Schule nie einen Beruf lernen können. „So nebenbei“ hatten wir erfahren, dass ihr Traumberuf Schneiderin wäre. Das können wir schaffen, ihr Abendkurse zu ermöglichen, so dass sie in dem bevorstehenden halben Jahr das nötige Grundwissen erlangt, um dann im Urwald mit dieser Fähigkeit ihren Lebensunterhalt zu meistern, denn Netly weiss, dass die Familie sie jeden Tag mehr brauchen wird.
Endlich konnte auch die OP für die Mutter durchgeführt werden und brachte froh machende Resultate. Nach den spannenden Momenten kam das überwältigende Erlebnis für Berta. Sie kann nicht nur Licht sehen, sonder auch die Schatten der Personen und Autos wahrnehmen, die sich ihr nahem und entsprechend auf sie zugehen oder ausweichen.  
Da stehen jetzt also Unterkunft, Bußgeld, Blindenstock und Therapiekosten an, außerdem Nähkurs und Anziehsachen (der Winter in Lima steht vor der Tür). Auch wenn die Kosten nicht mit Deutschland zu vergleichen sind (Therapie z. B. pro Monat ca. 40 Euro), kommt da doch einiges in der komplexen Situation zusammen. Jeder Euro ist wirklich hochwillkommen und wichtig.
Und dann haben wir auch einfach auf dem Herzen, Carlos doch auch einen Behandlungsstuhl (150 Euro) kaufen zu können, wenn er nach Beendigung der Ausbildung heim geht, damit er dann bei sich zu Hause fachmännisch arbeiten kann. (es gibt dort weit und breit keinen Physiotherapeuten und es besteht viel Notwendigkeit von Behandlungen für die Leute im Umkreis). Und wenn für Nelly eine Nähmaschine möglich wäre, dann wäre es optimal, ihr so eine kleine Grundlage für das weitere Leben geben zu können, so dass sie sich - ohne in finanzielle Not zu geraten - ihrer Familie widmen kann. Aber jetzt warten wir erst noch auf die Ankunft eines kleinen Neffen von ihnen aus dem Urwald. Als 8-jähriger stürzte er vom Avokadobaum beim Ernten. Die Blase wurde verletzt und ein künstlicher Ausgang gelegt.
Letztes Jahr hatten die Eltern einen Termin mit ihm im Kinderkrankenhaus, aber durch einen Ärztestreik ging der verloren und die Eltern haben nicht das Geld, erneut nach Lima zu kommen. Es ist dringend nötig, dass der jetzt 10jährige untersucht wird, um nicht evtl. lebenslang mit einem Urin-Beutel laufen zu müssen, Im Moment regeln die Eltern die Überweisungspapiere und wir erwarten sie die kommende Woche. Es ist also ziemlich voll bei uns im Patientenhaus.

Juan hat sich so durch die Monate der Regenzeit gekämpft, Erdrutsche gab es reichlich. Immer wieder konnte dank Eurer Hilfe freigeschaufelt werden. Aber nicht nur das, eine Schule erhielt einen neuen Zementboden, da der alte voller Löcher war und die  Tische so wackelten, dass die Kinder nicht mehr richtig schreiben konnten. Etlichen Kindern konnten die notwendigen Schulsachen besorgt werden. 

Einer 70-jährigen Witwe, deren 80-jähriger Mann in diesen Tagen verstarb, konnte durch Eure Spenden geholfen werde, ihren Mann In unserer Region konnte nun eine richtige Landwirtschaftsschule eingeweiht werden, da Juan über ein Ministerium die entsprechenden Mittel in Bewegung setzten konnte. Außerdem ist er dabei, mit den Leuten eine eigene Organisation aufzubauen (Cooperativa), wo die Kleinbauern der Region dann bald selber direkt ihren Kaffee organisiert und mit Bio-Zertifikat an Großaufkäufer in aller Welt anbieten können. Eine deutsche Institution, die in Ecuador ihren Sitz hat und für Europa, Japan und USA geltende Zertifikate ausstellen, sind im Gespräch hier, um den 2- 3 Jahre dauernden Prozess einzuleiten. Die bisherigen Kaffee-Aufkäufer stehen schon Kopf und versuchen das zu verhindern, denn sie haben Angst, dass ihnen ihr Gewinn, an den sie gewohnt sind, in einigen Jahren verloren gehen wird. Doch von all dem mehr im nächsten Rundbrief, den Juan zu schreiben denkt, damit ihr mal wieder etwas von ihm direkt hört.

Da haben wir also manchmal die sichtbaren großen Dinge zu tun und dann wieder jene unscheinbaren, unauffälligen Dienste. Für die Menschen da sein, ihre Situation in sich aufnehmen, sich mit ihnen identifizieren und mit Gottes Hilfe Wege in die Zukunft suchen. - Entscheidend ist immer wieder die Zeit und die finanziellen Möglichkeiten, die Ihr uns durch Eure Gaben schenkt. Bereit zu sein hinzugehen, aufzunehmen, zu begleiten, sei es beim Arzt, der OP, Ausweise erstellen, am Sarg zu stehen und mit zu weinen, durch Reha und Therapie Wege in die Zukunft suchen oder wie im Urwald den kleinen David gegen Goliat auszurüsten - Eure Gebete und Gaben und Gottes Liebe zu den Menschen macht das alles möglich.
Habt vielen Dank für alle Spenden und Eure lieben Gedanken
- Gott segne Euch
Eure Familie Yalico

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